Zürich
Kanton Zürich

Kantone Zürich und Bern wollen Häftlinge in U-Haft besser betreuen

Gegen «Haftschäden»

Kantone Zürich und Bern wollen Häftlinge in U-Haft besser betreuen

25.06.2024, 14:12 Uhr
· Online seit 25.06.2024, 11:16 Uhr
Die Kantone Zürich und Bern wollen die Untersuchungshaft reformieren: Ein Modellversuch soll zeigen, wie sich sogenannte Haftschäden bei Verhafteten verhindern lassen. Der Versuch kostet 12,8 Millionen Franken.
Anzeige

Die Untersuchungshäftlinge sollen besser auf die Wiedereingliederung vorbereitet sein, wie die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr am Dienstag in Meilen ZH vor den Medien.

Die restriktiven Bedingungen in der U-Haft sind schon lange in der Kritik. So durften Insassen früher nur eine Stunde ausserhalb der Zelle verbringen. Auch Fehr sagte, sie habe es «fragwürdig» gefunden, dass die Insassen noch 2015 nur einmal pro Woche duschen konnten.

Erste Massnahmen haben die beiden Kantone schon umgesetzt. So gilt auch in der U-Haft der Gruppenvollzug und die Insassen haben Anrecht auf acht Stunden Aufenthalt ausserhalb der Zelle.

Lösungen nach der Entlassung

Im wissenschaftlich begleiteten Modellversuch sollen nun insbesondere die Ressourcen der verhafteten Personen - etwa Arbeitsstelle, Wohnung oder Familienstrukturen - erhalten bleiben. Sozialarbeiter besprechen mit den Betroffenen Anschlusslösungen nach der Haftentlassung.

Erprobt wird etwa ein freiwilliges «Lebensbereichsgespräch» beim Hafteintritt. Dabei finden Sozialarbeiter heraus, was auf den Insassen draussen wartet - eine Partnerin, Kinder oder ob seine Miete bezahlt wird. Sie gehen dafür aktiv auf die Häftlinge zu.

Das Programm «Prison Stress Management» zeigt den Insassen auf, wie sie mit lösbaren und unlösbaren Problemen umgehen können. Zwei von fünf nahmen bei den ersten Erfahrungen daran teil, wie Fehr vor den Medien sagte.

Auch das Gefängnispersonal wird miteinbezogen. Alle 400 Mitarbeitenden der beiden Kantone mit Kontakt zu Insassen werden bis 2026 in Meilen ZH eine fünftägige Weiterbildung absolvieren. Dabei wird etwa der Umgang mit Gefangenen in schwierigen Situationen geübt.

Ergebnisse bis 2028 erwartet

Es gehe bei dem Versuch darum, Haftschäden und entsprechende Kosten zu vermeiden, sagte der Berner Sicherheitsdirektor Philippe Müller. «Auf die eigentliche Strafverfolgung darf der Modellversuch keinen Einfluss haben.»

Gemäss Statistik der Kantonspolizei Zürich kamen in den letzten Jahren im Schnitt 1200 Personen pro Jahr in Untersuchungshaft. Von allen in Strafverfahren involvierten Personen sind das 0,7 Prozent, wie Fehr ausführte.

Ergebnisse des Versuchs werden bis 2028 erwartet, Start war im Oktober 2023.

(sda/dak)

veröffentlicht: 25. Juni 2024 11:16
aktualisiert: 25. Juni 2024 14:12
Quelle: BärnToday

Anzeige
Anzeige
zueritoday@chmedia.ch