Zürich
Kanton Zürich

Ex-UBS-Sekretärin aus Zürich wegen Veruntreuung verurteilt

Veruntreuung

Shopping auf UBS-Kosten: Bundesgericht verurteilt Ex-Chefsekretärin aus Zürich

· Online seit 27.06.2024, 12:00 Uhr
Seidenfoulards, Schönheitsbehandlungen und eine Thailand-Reise: Eine ehemalige Sekretärin der UBS-Spitze hat ihre Firmenkreditkarte rund 800 Mal privat genutzt. Das Bundesgericht hat ihre Beschwerde gegen die Verurteilung nun abgelehnt.
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Die Frau habe die Kreditkarte bewusst für privates Vergnügen genutzt, schreibt das Bundesgericht in seinem am Donnerstag publizierten Urteil. Es sei klar «eine Absicht zur unrechtmässigen Bereicherung» erkennbar, weshalb die Verurteilung rechtmässig sei.

Das Zürcher Obergericht hatte die 60-Jährige im vergangenen Jahr wegen mehrfacher Veruntreuung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Es verpflichtete die Frau ausserdem dazu, der UBS fast 720'000 Franken zurückzuzahlen. Die UBS hatte jedoch doppelt so viel gefordert: Eine Million, welche die Frau zwischen 2003 und 2010 verprasste, und dazu 400'000 Franken Zins seit 2010.

Es war bereits das zweite Mal, dass sich die Lausanner Richter mit der Ex-Chefsekretärin beschäftigen mussten. In einer ersten Runde hatten Bezirks- und Obergericht die Frau noch freigesprochen. Auf Geheiss des Bundesgerichtes wurde der Fall erneut verhandelt.

«Es herrschte ein Klima der Selbstbedienung»

Die Frau hatte bei den Gerichtsprozessen vor Bezirksgericht und Obergericht argumentiert, dass sie ihre Einkäufe nie verheimlicht habe. Alles sei auf den Abrechnungen ersichtlich gewesen und alles sei von ihren Vorgesetzten abgesegnet worden. «Es herrschte ein Klima der Selbstbedienung», sagte sie.

Der Zürcher Staatsanwalt war ein Stück weit sogar gleicher Meinung: «Die Starbanker sahen es als unter ihrer Würde an, Spesen zu kontrollieren. Sie haben blind unterschrieben.» Aus diesem Versäumnis eine «Erlaubnis» abzuleiten, sei aber realitätsfremd. «Wenn es alle tun, darf ich auch», gelte im Strafrecht nicht.

UBS-Firmenkarte für Handtaschen, Schmuck und Ferien genutzt

Die Anklageschrift listete über 800 Fälle auf, in denen die Frau ihre Firmenkarte für private Zwecke verwendete. An einem Tag gönnte sie sich eine Handtasche für 1420 Franken, wenige Tage später Schmuck im Wert von 8000 Franken. Auch Ferien in Thailand und auf Sylt (DE) zahlte sie mit UBS-Geld. Selbst beim Zahnarzt und in der Schönheitsklinik zückte sie die Firmenkreditkarte.

Dass sie ihrem ehemaligen Arbeitgeber das Geld bald zurückzahlen kann, ist unwahrscheinlich. Die Frau lebte zum Zeitpunkt des Obergerichtsurteils in Grossbritannien und half im Golfclub ihres Mannes aus. Mit Hundesitting verdiente sie 35 Franken pro Woche.

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Vor Gericht landete die Frau nur deshalb, weil ihre Vorgesetzten, darunter das ehemalige UBS-Konzernleitungsmitglied Raoul Weil, im Zuge des US-Steuerstreits freigestellt wurden. Ihre neue Chefin schaute besser hin und zeigte die langjährige Assistentin an.

(sda/hap)

veröffentlicht: 27. Juni 2024 12:00
aktualisiert: 27. Juni 2024 12:00
Quelle: ZüriToday

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