Zürich
Kanton Zürich

Die 38-Stunden-Woche kommt vors Volk: «Der Stadtrat lässt den Souverän entscheiden»

Affoltern am Albis

Die 38-Stunden-Woche kommt vors Volk: «Der Stadtrat lässt den Souverän entscheiden»

02.10.2023, 09:13 Uhr
· Online seit 31.08.2023, 06:20 Uhr
Städtische Angestellte in Affoltern am Albis sollen 38 Stunden arbeiten, aber für 42 Stunden bezahlt werden. Der Vorschlag des Affoltemer Stadtrats polarisiert. Deswegen lässt die Stadt das Volk nun über die Personalverordnung abstimmen.

Quelle: Gewerbe kritisiert 38-Stunden-Idee in Affoltern, Beitrag vom 05.08.2023 / TeleZüri

Anzeige

Der Vorschlag, dass städtische Angestellte nur noch 38 statt 42 Stunden arbeiten müssen, löste in der Bevölkerung heftige Diskussionen aus. Nun entschied der Stadtrat deswegen, die Affoltemer über die 38-Stunden-Woche abstimmen zu lassen, statt den Vorschlag einfach durchzuwinken. Ursprünglich wollte er die verkürzte Arbeitswoche ohne Mitsprache der Bevölkerung ab April 2024 einführen. Rund 350 Angestellte der Stadt Affoltern am Albis hätten davon profitiert.

«Der Stadtrat lässt den Souverän entscheiden», betitelt der Stadtrat seine Medienmitteilung zur Abstimmung. Er hofft, dass die Bevölkerung den Vorschlag trotz der Kontroverse gutheisst. «Wir stärken so unsere Basisdemokratie», erklärt Stadtpräsidentin Eveline Fenner. Gewisse seien mit dem neuen Arbeitszeitmodell der Gemeinde überrumpelt worden. Weil es sich um einen langfristigen Entscheid handle, wolle man diesen durch das Volk legitimieren lassen.

Höhere Löhne statt angenehmere Arbeitszeiten

Kurz vor den eidgenössischen Wahlen ist ein modernes Arbeitszeitmodell auch gefundenes Fressen für den Wahlkampf. Schliesslich bezahlt die Bevölkerung die kürzeren Arbeitszeiten aus dem eigenen Sack. Geschätzt werden die Kosten für die Massnahme auf 2,3 Millionen Franken. «Wir wollen wirklich in einen Dialog treten mit unserer Bevölkerung», meint Fenner. Wer die Vorlage ablehne, müsse nicht plötzlich weniger Steuern zahlen. Insgesamt erhofft sie sich sogar, dass durch die Massnahme anfallende Kosten durch Personalwechsel gespart werden können.

Besonders in der Pflege wird es für die Stadt zunehmend schwieriger, Fachkräfte zu rekrutieren. Mit den verbesserten Arbeitsbedingungen will der Stadtrat die Angestellten länger an sich binden. Fenner fügt an, dass besonders temporäre Mitarbeitende oft Mehrkosten verursachen. Zusätzlich fehlen auch auf diesem Markt die Arbeitskräfte. «Wenn dieser Markt austrocknet, wird es eng. Das wäre fatal.»

Keine Konkurrenz gegenüber der Privatwirtschaft

Gegnerinnen und Gegner der 38-Stunden-Woche werfen der Stadt Affoltern am Albis vor, sie wolle durch die kürzeren Arbeitszeiten der Privatwirtschaft die Arbeitskräfte abwerben. Fenner dementiert: «Viele Privatunternehmer haben seit Jahrzehnten verkürzte Arbeitswochen und bezahlen Löhne, die höher sind als die der Stadt.» Vor allem bei den Handwerkern bezahle das Gewerbe besser. Nur andere Gemeinden, die an den Kanton und dessen 42-Stunden-Modell gebunden seien, hätten das Nachsehen.

Ob die Angestellten der Stadt Affoltern bald nur noch 38 Stunden in der Woche arbeiten müssen, entscheidet das Stimmvolk am 3. März 2024.

veröffentlicht: 31. August 2023 06:20
aktualisiert: 2. Oktober 2023 09:13
Quelle: ZüriToday

Anzeige
Anzeige
zueritoday@chmedia.ch