1 Jahr nach Sturm Bernd

«Bis der Zürcher Wald wiederhergestellt ist, dauert es Jahrzehnte»

22. Juni 2022, 15:50 Uhr
Vor knapp einem Jahr hinterliess Sturm Bernd im städtischen Wald eine Schneise der Verwüstung. Am Käferberg knickten Bäume um wie Zündhölzer. Wie präsentiert sich die Situation heute? ZüriToday hat einen Augenschein genommen.

Noch immer sind sie zu sehen, die kahlen Flächen inmitten des Waldes. Hunderte Bäume waren dort in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 2021 dem Erdboden geleichgemacht worden. «Bernd richtete besonders lokal heftige Schäden an», erzählt Stadtforstingenieur Oliver Gerlach rückblickend. «Den Wald auf dem Käferberg traf es besonders hart. Es war gar kein schönes Bild, als ich damals hierher kam und sah, wie viele Bäume am Boden lagen.»

19'000 Bäume wurden beschädigt

Im Zürcher Wald fielen der Sturmnacht rund 14'000 Kubikmeter Holz zum Opfer – gleich viel, wie sonst in einem ganzen Jahr dem gesamten Stadtwald im Rahmen der Waldbewirtschaftung entnommen wird. Über 19'000 Bäume wurden auf städtischem Gebiet beschädigt, bilanziert die Stadt. Mehr als 2000 Bäume stürzten um oder mussten notgefällt werden.

«Wir überlassen die Natur sich selbst»

Im Wald auf dem Käferberg liegen ein knappes Jahr nach Bernd grosse Haufen gefällter und umgeknickter Bäume — Überbleibsel des heftigen Sturms. «Wir haben den Wald nur teilweise aufgeräumt», sagt Stadtforstingenieur Oliver Gerlach zu ZüriToday. «Einzelne Asthaufen und entwurzelte Bäume lassen wir bewusst liegen, um die Biodiversität zu fördern.»

Gerlacht fährt fort: «An kahl gefegten Stellen pflanzen wir Bäume aber auch nach. Am Käferberg haben wir jetzt 800 Eichen gepflanzt. Das sind jedoch nur Ergänzungspflanzungen. Wir ersetzen nicht jeden Baum, der von Bernd umgeknickt wurde.»

«Es dauert zwei oder drei Jahrzehnte»

An Stellen, an denen die alten Bäume umgeworfen oder gebrochen sind, bekommen die jungen nun mehr Platz und mehr Licht, also bessere Wachstumsbedingungen. Stadtforstingenieur Gerlach meint: «An den kahlen Stellen im Wald werden die Bäume erst in zwei oder drei Jahrzehnten so gross sein, wie das vor Bernd der Fall war.»

So hoch sind die Kosten

Der Zürcher Stadtrat beantragt für die Behebung der Sturmschäden und den Baumersatz rund 6 Millionen Franken. Vor allem die Aufräumarbeiten kosteten viel Geld. Man hätte aufgrund fehlenden Personals viele externe Arbeitskräfte engagiert müssen, teilt der Stadtrat mit.

(jos)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 22. Juni 2022 15:54
aktualisiert: 22. Juni 2022 15:54
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