Zürich
Kanton Zürich

Bezirksgericht Uster ZH verurteilt 30-Jährigen zu Freiheitsstrafe von 11 Jahren

Mann erstochen

«Kein Urteil wird der Tat gerecht» – 30-Jähriger muss 11 Jahre ins Gefängnis

05.07.2024, 20:03 Uhr
· Online seit 05.07.2024, 16:18 Uhr
Das Bezirksgericht Uster ZH hat einen 30-jährigen Schweizer wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt. Dieser muss 11 Jahre hinter Gitter. Der Familie des Opfers genügt dies nicht.
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Das Gericht hielt die vom Beschuldigten und seinem Verteidiger vorgebrachte Notwehr für nicht glaubwürdig, wie der Richter bei der Urteilseröffnung am Freitagnachmittag sagte.

«Sie haben im Kampf mit dem Ihnen körperlich überlegenen anderen Mann zum Messer gegriffen, um die Oberhand zu gewinnen», sagte der Richter weiter. Eine eigentliche Notwehrsituation habe nicht vorgelegen.

Zum Streit kam es in den frühen Morgenstunden am Sonntag, 27. November 2022, auf dem Parkplatz vor einer Bar in Uster. Der Beschuldigte wollte im Auto des Opfers mit in die Stadt Zürich fahren. Beide waren zuvor an einer privaten Geburtstagsfeier und haben sich vorher nicht gekannt. Beide hatten an der Feier zuvor viel Alkohol getrunken.

Streit um Mitfahrgelegenheit eskalierte

Weil das Auto bereits voll besetzt war, kam es zu einem zunächst verbalen Streit. Als dieser scheinbar vorüber war und der Beschuldigte sich bereits vom Auto entfernte, warf er eine Flasche in Richtung des Fahrzeugs. Daraufhin stieg der Besitzer des Autos aus, ging zu ihm hin und schlug ihm die Faust ins Gesicht.

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Anschliessend kam es zu einem Gerangel am Boden, bei dem der körperlich unterlegene Beschuldigte das Messer einsetzte und mindestens acht Mal auf seinen Kontrahenten einstach. Einer der Stiche durchtrennte die Halsschlagader. Das Opfer verblutete in den Armen seiner ebenfalls anwesenden Freundin. Der Richter nannte den Grund für die tödliche Auseinandersetzung «eine völlige Bagatelle, ein nichtiger Anlass».

An der Verhandlung am Donnerstag machten der Beschuldigte vergeblich geltend, dass er um sein Leben fürchtete und deshalb in Panik zum Messer gegriffen habe. Sein Verteidiger beantragte deshalb einen Freispruch, oder andernfalls eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung in Notwehrexzess. Dafür hätte es eine deutlich tiefere Freiheitsstrafe gegeben.

Staatsanwältin forderte 18 Jahre

Die Staatsanwältin forderte mit 18 Jahren eine deutlich höhere Strafe, als das Gericht nun verhängt hat. Im Unterschied zur Staatsanwaltschaft ging das Gericht davon aus, dass der Beschuldigte zwar den Tod seines Gegners in Kauf nahm, diesen aber nicht direkt wollte. Auch für die leicht verminderte Steuerungsfähigkeit aufgrund des hohen Alkoholkonsums an der Party gab es eine Strafminderung. Ebenso floss in die Berechnung ein, dass es das spätere Opfer war, der mit dem ersten Schlag die körperliche Auseinandersetzung begann.

Neben der Freiheitsstrafe kommen auch hohe finanzielle Forderungen auf den verurteilten Produktionsmechaniker zu. An die Mutter und die Schwester sowie die Freundin des Getöteten soll er Genugtuung in der Höhe von insgesamt 50'000 Franken bezahlen. Zudem muss er die Gerichtskosten in der Höhe von 6000 Franken und weitere Kosten übernehmen.

Der Beschuldigte, der seit der Tat im Gefängnis ist, nahm das Urteil und die Begründung teils mit Kopfschütteln zur Kenntnis. «Sie können mit ungefähr 40 Jahren wieder zurück ins Leben und einen Neuanfang machen», sagte der Richter ganz am Schluss zu ihm. «Das Opfer kann das nicht.»

(sda/bza)

veröffentlicht: 5. Juli 2024 16:18
aktualisiert: 5. Juli 2024 20:03
Quelle: ZüriToday

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