Neue Lebensaufgabe

IT-Spezialist rettet in Zürich Schafe vor dem Schlachter

Joelle Maillart, 28. Juni 2022, 18:54 Uhr
Seit mehreren Jahren gibt ein Zürcher Paar süssen Schafen einen neuen Lebensplatz. Sie wollen damit ein Zeichen setzen und Kindern, wie auch Erwachsenen, mehr Achtsamkeit im Thema Natur und Tier vermitteln.

Er arbeitet 100 Prozent in der IT und widmet seine Leidenschaft Schafen. Seit vier Jahren rettet Marco Barresi und seine Verlobte, Larissa von Burg, die Tiere vor dem Schlachthof. «Sie ist mit Schafen aufgewachsen und als wir zusammen gezogen sind, wollten wir ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen, um Schafen neue Lebensplätze zu bieten», berichtet Barresi gegenüber ZüriToday. Daraus ist dann der Verein tierische Naturwerkstatt entstanden.

Schafe in Not retten

«Meistens werden wir von Privatpersonen angefragt, die von Schafen in Not erfahren, ob wir die Tiere aufnehmen können», so Marco. Aber auch von Landwirten, die es zum Beispiel nicht übers Herz bringen, ihr Lieblingsschaf zu schlachten oder keine Zeit haben für die Tiere. Ein Beispiel sei Lamm Merlin: «Seine Mutter war bei der Geburt gestorben und der Bauer hätte ihn von Hand aufziehen müssen. Dafür hatte er allerdings keine Zeit.»

Zum Verein mit Sitz in Adliswil gehören 16 Schafe. Im letzten Jahr seien vier dazu gekommen und 70 Stück haben sie direkt an neue Plätze weitervermittelt. «Unsere Kapazität ist begrenzt, deshalb helfen wir oft, einen anderen Hof für die Schafe zu finden», sagt Marco. Dabei machen sie zuerst eine Kontrolle, ob das neue Plätzchen den Schafen ein schönes Leben bieten könne.

«Jedes Leben ist wertvoll»

Das Paar rettet nicht nur Schafe vor dem Tod, sondern bietet Kindern und Erwachsenen auch diverse Kurse auf ihrem Hof an. «Wir wollen in erster Linie den Leuten zeigen, dass jedes Lebewesen, egal ob Nutz- oder Haustier, wertvoll ist», so der 27-Jährige.

«Schafe sind toll und haben extrem unterschiedliche Charaktere», erzählt Marco. Rino sei ein Lausbube, Lia eher die ängstliche und Alma brauche sehr viel Liebe und Kuscheleinheiten. «Einstein ist der Chef. Ein richtiges Alphatier, dass seine ‹Schäfchen› im Blick haben möchte», so der IT-Spezialist.

Kinder lernen in Kurse welche Bedürfnisse die Tiere haben und was es heisse nachhaltig mit der Natur umzugehen. Für Erwachsene biete die tierische Naturwerkstatt Yoga auf der Schafweide an. Dadurch solle mehr Achtsamkeit für die ganze Natur und Tierwelt entstehen.

Ein Zeichen setzen

Auch wenn beide 100 Prozent arbeiten, nehmen sie sich Zeit für ihre Schützlinge. Marco übernimmt dabei eher die landwirtschaftlichen und handwerklichen Tätigkeiten, während Larissa mehr für die Rettung der Schafe und die Kinderkurse zuständig sei.

Das zeitintensive «Hobby» ist ihre Leidenschaft, aber dennoch sei ihnen bewusst: «Dass wir niemals alle Schafe vor dem Schlachthof retten können. Dennoch wollen wir versuchen damit ein Zeichen zu setzen und die Botschaft vermitteln, dass jedes Leben, egal welches, wichtig ist.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 26. Juni 2022 06:39
aktualisiert: 28. Juni 2022 18:54
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