ETH-Projekt

In Zürich soll die Hälfte der Strassenfläche zur Velospur werden

23. November 2022, 11:27 Uhr
Die ETH startet mit einem visionären Verkehrsprojekt in der Stadt Zürich. Die meisten Strassen sollen halbiert und zur Hälfte den Velofahrenden zur Verfügung gestellt werden. Ziel: CO2-neutraler zu werden und die «Mobilität neu zu denken».
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"Wir wollen die Stadt nicht mehr vom Auto her denken, sondern aus Sicht von E-Bikes und anderen Mikromobilen wie Velos und E-Trottinetts», sagt Kay Axhausen vom Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich im Interview mit dem Tagesanzeiger. Axhausen leitet das Projekt «E-Bike-City». Offiziell startet das Projekt am Mittwoch, läuft rund drei Jahre und kostet rund 1,7 Millionen Franken.

Die ETH-Forschenden wollen Fragen wie dieser nachgehen: Welche Folgen hätte das für die Erreichbarkeit verschiedener Orte innerhalb der Stadt und für die Anbindung der Agglomeration?

Was ist mit Krankenwagen und Feuerwehr?

Sollten die meisten Zürcher Strassen tatsächlich halbiert und die eine Hälfte für Velos zur Verfügung gestellt werden, dann entstünden für Autos zahlreiche Einbahnstrassen und Sackgassen. Trotzdem müsse gewährleistet sein, dass Lieferdienste, Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei schnell ans Ziel kommen. Axhausen meint: «Daher entwickeln wir ein computergestütztes Werkzeug, mit dem wir das System aus Einbahnstrassen optimieren können. Niemand stellt sich vor, dass ein Schlaganfallpatient auf dem Lastenfahrrad ins Spital transportiert wird.»

Stadt Zürich unterstützt Projekt nicht

ETH-Projektleiter Axhausen fügt hinzu: «Letztlich wollen wir für Zürich zeigen, wie das Strassennetz einer E-Bike-City konkret aussehen könnte und was das für den Verkehr und die Aktivitätsmuster der Bevölkerung bedeuten würde.» Das Konzept soll sich auch auf andere Städte übertragen lassen.

Die Stadt Zürich verfolgt das ETH-Projekt interessiert, sagt die zuständige Stadträtin Simone Brander (SP) dem Tagesanzeiger. Unterstützt werde das Projekt aber nicht. «Unsere Prioritäten für mehr Flächen liegen aber allgemeiner als im E-Bike-Projekt», so Brander. «Sie umfassen neben dem Veloverkehr auch den Fussverkehr sowie die Hitzeminderung.»

(jos)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 23. November 2022 16:16
aktualisiert: 23. November 2022 16:16