Zürich

In Fällanden droht Knatsch um den Abbruch des Gemeindehauses

Heimatschutz

In Fällanden droht Knatsch um den Abbruch des Gemeindehauses

· Online seit 12.10.2023, 05:54 Uhr
In Fällanden am Greifensee steht eine Grundsatzabstimmung über das Gemeindehaus an. Die Bevölkerung kann entscheiden, ob das Gebäude saniert oder gar abgebrochen wird. Wegen der Schutzwürdigkeit des Gebäudes könnte jedoch ein Gerichtsverfahren folgen.
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Am 22. Oktober entscheidet Fällanden über die Zukunft des Gemeindehauses aus dem Jahr 1973. Der Gemeinderat empfiehlt, das Gebäude neu zu bauen. Diese Variante beinhaltet unter anderem, dass Wohnungen auf dem Grundstück gebaut würden und ein Grossverteiler einziehen könnte. Das Zentrum werde dadurch belebt und das Bedürfnis nach günstigem Wohnraum gedeckt, argumentiert der Gemeinderat.

Die Vorteile der zweiten Variante, einer Sanierung, bestehen in der schnelleren Umsetzung und den tieferen Kosten. Ausserdem weise das Gebäude gemäss einem Schutzgutachten «als Zeuge des Brutalismus der Bauboomjahre» eine gewisse Schützwürdigkeit auf, heisst es in im Text zur Grundsatzabstimmung. Genau dieser Punkt dürfte gemäss dem Zürcher Heimatschutz noch für Diskussionen sorgen.

Gebäude befindet sich nicht im Denkmalschutzinventar

Zwar ist das Gebäude nicht im Denkmalschutzinventar. «Das ist angesichts des Selbstbindungsgebots der öffentlichen Hand auch nicht nötig», schreibt der Zürcher Heimatschutz (ZVH) in einer Medienmitteilung.

«Als 1975 das Planungs- und Baugesetz erlassen wurde, beschloss man, dass die Gemeinden potenziell schützenswerte Gebäude in einem Inventar erfassen müssen», erklärt ZVH-Präsident Martin Killias auf Anfrage von ZüriToday. «Bei Gebäuden im öffentlichen Besitz fand man das nicht nötig, weil die sowieso geschützt seien beziehungsweide nicht abgebrochen würden, bevor man sich mit ihrer Schutzwürdigkeit auseinandergesetzt habe.» Deswegen gelten Bauten in Kantons- oder Gemeindebesitz als «automatisch» inventarisiert, sagt Killias.

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Schutzwürdigkeit des Gemeindehauses sei naheliegend 

Falls die Stimmberechtigten sich für einen Neubau des Gemeindehauses aussprechen, müsste der Gemeinderat den Beschluss fassen, auf Schutzmassnahmen zu verzichten und das Haus abzubrechen. «Dazu müsste er darlegen, weshalb er das offenbar vorliegende Gutachten nicht für schlüssig hält, obwohl dieses die Schutzwürdigkeit bejaht», erklärt Killias.

«Je nach Stichhaltigkeit der Argumente behält sich der Heimatschutz vor, einen allfälligen Abbruchbeschluss beim Baurekursgericht anzufechten.» Killias sagt, er sei kein Architekturhistoriker, aber die Fachleute vom Heimatschutz halten es in Übereinstimmung mit dem Gutachten für naheliegend, dass das Gemeindehaus schützenswert sei.

Gespräche zwischen dem Heimatschutz und der Gemeinde Fällanden finden aktuell keine statt. «Dies ist hier kein Unglück, weil bei einer solchen Ausgangslage ein Kompromiss nicht leicht vorstellbar ist.»

Killias erklärt, dass der Heimatschutz die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger darauf hinweisen will, dass die Sache mit der Abstimmung nicht automatisch gelaufen wäre. «Es wäre unseres Erachtens besser gewesen, wenn der Gemeinderat eine Sanierung des Gebäudes vorgeschlagen hätte. Damit liesse sich ein Gerichtsverfahren vermeiden. Oder soll man das Haus zur Hälfte stehen lassen?»

Fällanden will nicht über Probleme durch den Denkmalschutz spekulieren

Die Gemeinde Fällanden hatte vor einiger Zeit «informellen Kontakt» mit dem Heimatschutz zu dem Thema. Aktuell stehe man jedoch in keiner Diskussion mit dem ZVH, erklärt die Gemeindeschreiberin Leta Bezzola auf Anfrage von ZüriToday. Das Vorgehen sei jedoch schon länger bekannt.

Die Gemeinde möchte nicht darüber spekulieren, ob der Denkmalschutz einem allfälligen Abbruch im Weg stehen könnte. Ob die Stimmberechtigten den Neubau auch tatsächlich wollen, werde sich zeigen.

Schutzwürdigkeit rettete Landihaus in Illnau-Effretikon 

Die Diskussion erinnert an den Knatsch um das Landihaus in Illnau. Die Stimmbevölkerung sagte im November 2020 Ja zu einer Neugestaltung des Dorfplatzes und einem Abriss des 1982 erbauten Gebäudes. Der Zürcher Heimatschutz legte Rekurs gegen Entscheid ein, welchen das Baurekursgericht im März guthiess.

Quelle: Zank um altes Landihaus in Illnau / TeleZüri-Beitrag vom 18. Oktober 2022

veröffentlicht: 12. Oktober 2023 05:54
aktualisiert: 12. Oktober 2023 05:54
Quelle: ZüriToday

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