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Hochzeitsgesellschaft trampelt Wiese von Bauer für Fotoshooting nieder

Meilen ZH

Hochzeitsgesellschaft trampelt Wiese von Bauer für Fotoshooting nieder

01.06.2023, 12:54 Uhr
· Online seit 01.06.2023, 12:04 Uhr
Ein Zürcher Landwirt macht seinem Ärger auf Facebook Luft. Bilder zeigen, wie ein Teil seiner Wiese niedergetrampelt wurde. Verursacher waren Leute, die die Wiese für ein Fotoshooting nutzten. Wegen des entstandenen Schadens könnte er sogar klagen.
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Die Bilder, die die Bauernfamilie des Hofes Hinterburg auf Facebook posten, zeigen eine grosse Fläche mit niedergetrampeltem Gras. Noch dazu eine Schneise von etwa 20 Meter, die ebenfalls niedergestampft wurde, um an den gewünschten Ort zu gelangen. «So was ist einfach eine bodenlose Frechheit», schreibt der Landwirt Adrian Haggenmacher (39) zu dem Post.

Schöne Fotos – ruinierte Wiese

Grund für das beschädigte Stück Land sei ein Shooting für Hochzeitsfotos gewesen. Was den Bauern komplett verständnislos zurücklässt, ist, dass man immer gerne behilflich sei, wenn man für sowas angefragt werde. «Wir als Bauernfamilie versuchen immer zu helfen, wenn man uns nach einem Fotospot fragt», schreibt er.

«Wie kommt man nur auf so eine Idee? Zuerst etwa 20 Meter durchs hohe Gras gehen und dann einen Kreis mit einem Durchmesser von rund fünf Metern flachdrücken», so der Landwirt. Ihn macht diese Aktion aus gleich mehreren Gründen sauer, wie er gegenüber «20 Minuten» erklärt.

«Zum einen dient das Gras, das die Leute auf dem Privatgrundstück betreten, als Futter für die Tiere. Zum anderen gehört die zerstörte Fläche auch zu einer 1,6 Hektaren grossen Biodiversitätsfläche, welche ohnehin nicht einfach so betreten werden darf», so Haggenmacher.

Was bedeutet Biodiversitätsfläche?

Biodiversitätsflächen dienen zur Förderung der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren. Aktuell habe es zum Beispiel viele Rehkitze in den Wiesen. Wann und wie diese Flächen bearbeitet werden dürfen, sei zwischen Bauer, Gemeinde und Kanton klar geregelt, sagt er. Auch der Bauer selbst müsse die Fläche bis zum Stichtag ruhen lassen. «Da das Wiesenstück nun aber zuvor schon betreten wurde, könnte ich theoretisch sogar dafür gebüsst werden», erklärt Haggenmacher weiter.

Hätte man ihn vorher gefragt, hätte das alles vermieden werden können. Schliesslich stelle er sein Land gerne für solche Sachen zur Verfügung. Problematisch sei vor allem natürlich auch der Abfall, den die Leute immer wieder hinterlassen. Schon fünf Kühe habe er in den letzten zehn Jahren verloren, weil diese den Abfall der Menschen gefressen haben.

Facebook-Gemeinde ist hässig

Die Dreistigkeit dieser Personen erzürnt auch die Gemüter der Facebook-User. So schreibt eine: «Da fehlt wirklich die sprichwörtlich gute Kinderstube. Frech und arrogant zugleich». Auch dieser User sieht es ähnlich: «Ihre Wut ist mehr als verständlich! Wie dumm muss man sein. Ich traue mich nicht mal, über eine Wiese zu spazieren. Aber leider regiert Egoismus diese Welt und Dummheit dazu», heisst es in dem Kommentar.

Einige schlagen vor, auf Schadenersatz zu klagen und das wäre auch das gute Recht des Landwirts, wie Katharina Weber von der Baudirektion des Kantons Zürich sagt. Der erste Schnitt einer im Talgebiet extensiv genutzte Wiese dürfte nämlich frühestens am 15. Juni erfolgen. Bei der Nichteinhaltung werden Direktzahlungen gekürzt, sagt Weber.

Wiesentrampler von Gemeinde-Mitarbeiter erwischt

Wenn eine Landwirtin oder ein Landwirt die Auflagen aufgrund Fremdeinwirkung von Drittpersonen nicht erfüllen kann, könne man auf Schadenersatz klagen.

Die Wiesentrampler seien übrigens von einem Mitarbeiter der Gemeinde gesehen und zur Rede gestellt worden, meint der Landwirt. «Das Paar hat mich dann angerufen und sich entschuldigt. Sie hätten nicht gewusst, dass sie das Land nicht betreten dürften» so Haggenmacher. So ganz glauben will er ihnen die Version aber nicht. «Ich glaube, dass die meisten wissen, dass man kein Privatgrundstück betreten darf. Aber es ist ihnen einfach egal», schliesst der 39-Jährige.

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veröffentlicht: 1. Juni 2023 12:04
aktualisiert: 1. Juni 2023 12:54
Quelle: ZüriToday

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