Zürich

Herrliberg verliert Badi-Kiosk wegen Parkplätzen

Beton statt Snacks

Herrliberg verliert Badi-Kiosk wegen Parkplätzen

· Online seit 13.06.2023, 07:00 Uhr
30 Jahre lang stand auf dem Parkplatz an der Seestrasse in Herrliberg ein Imbisswagen. Doch von einer Saison auf die andere müssen Badegäste und Rastende ohne den Wagen auskommen. Das sorgt für Unmut.
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Nach dem Schwimmen ein Glacé schlecken ist an Herrlibergs Riviera zu einem süssen Traum geworden. Von einer Saison auf die andere haben die Besucherinnen und Besucher der Steinrad-Badi und des öffentlichen Uferbereichs am Zürichsee ihren Kiosk verloren.

30 Jahre lang stand der Imbisswagen auf einem Parkplatz an der Seestrasse in Herrliberg. In dieser Zeit verköstigten dort drei verschiedene Pächter Wasserratten sowie Hobby-Taucherinnen und -Taucher mit Hamburgern, Würsten, Pommes Frites und Glacé.

Für Lastwagenchauffeure und Bauarbeiter war der Imbisswagen mittags von Frühling bis Herbst eine ideale Raststätte. Und für manche Menschen in und um Herrliberg hatte sich der Kiosk zum sozialen Treffpunkt entwickelt.

Abends, manchmal schon mittags, trafen sie sich dort zu einem Bierchen bei einem Kartenspiel, während ein Fussballmatch oder ein Formel-1-Rennen über den Bildschirm eines kleinen, alten Fernsehers flimmerte.

«Menschen hier vermissen den Kiosk brutal»

Verschwunden ist der Kiosk, weil der Kanton Zürich den Vertrag mit dem Kiosk-Betreiber nicht mehr verlängerte, wie Tumasch Mischol, Gemeindeschreiber von Herrliberg, gegenüber ZüriToday bestätigt.

Thomas Maag, Mediensprecher der Zürcher Baudirektion, erklärt, dass der bisherige Kiosk die Behindertenparkplätze belegt habe. «Und die temporären Bauten rund um den Kiosk versperrten den ausfahrenden Fahrzeugen die Sicht.»

Der Imbisswagen hinterlässt eine grosse Lücke bei den Gästen. «Die Menschen hier vermissen den Kiosk brutal», sagt Richard Kempf, Kenner der Steinrad-Szene. Viele Menschen seien empört, dass der Kiosk Parkplätzen habe weichen müssen und sie ohne Verpflegungsmöglichkeiten zurückgelassen würden.

Bis 2022 betrieben Pächter Ueli Hurschler und Gastro-Profi Dominik Lang den Kiosk. Mit ihnen setzte sich Richard Kempf für eine Zwischenlösung ein. In einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, schlugen sie vor, den Kiosk einige Meter vom alten Standort entfernt auf dem Rasen in der Nähe der Umkleidekabine der Steinrad-Badi aufzustellen. Vom Amt für Abfall, Wasser Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich erhielten sie jedoch eine Absage.

Widerstand bei neuer Badi

Gegessen ist die Sache aber noch lange nicht. 2024 soll die Herrliberger Steinrad-Badi nach 50 Jahren erweitert und saniert werden.

Der Vertrag mit dem Badi-Kiosk sei nicht verlängert worden, weil es dereinst in der geplanten Badi Steinrad eine Verpflegungsmöglichkeit geben solle, sagt Thomas Maag. Da das geplante Projekt der Gemeinde auf Widerstand stösst, verzögert sich der Baustart. «Es dürfte darum noch Jahre dauern, bis es am See wieder einen Kiosk gibt», empört sich Richard Kempf.

Eine Badi ohne Imbissstand sei schlichtweg unvorstellbar. «Mit einem Kiosk ist das Steinrad ein wunderschöner Ort, um zu verweilen und den heimatlichen Zürichsee zu geniessen. Feriengefühle und Entspannung pur!»

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Mögliche Wirte stehen aber bereits in den Startlöchern. Für den Kioskbetrieb innerhalb der Badi Steinrad hätten sich verschiedene Interessen gemeldet, sagt Tumasch Mischol. Der Betrieb werde zu gegebener Zeit ausgeschrieben.

Péclard-«Nachwuchs» bewirbt sich vielleicht

Kürzlich übernahm der Zürcher Gastronom Michel Péclard die Restaurants im Seebad Zollikon und im Strandbad Küsnacht – beides Strandbäder, die nur wenige Kilometer von Herrliberg entfernt liegen. «Wir sind derzeit superhappy», sagt Péclard auf Anfrage. Sie hätten deshalb nicht vor, «nach weiteren Restaurants am See zu scouten, auch wenn die Location Steinrad natürlich toll wäre».

Quelle: Michel Péclard übernimmt zwei neue Restaurants am Zürichsee / ZüriNews vom 8. April 2023

Vielleicht werde sich ihr «Nachwuchs» bewerben, sagt Péclard. «Denn wir motivieren immer wieder motivierte Talente aus unserer Family, sich selbständig zu machen.» Seine beiden Assistenten warteten auch auf die Chance, sich ein tolles Plätzli zu ergattern.

veröffentlicht: 13. Juni 2023 07:00
aktualisiert: 13. Juni 2023 07:00
Quelle: ZüriToday

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