Stadt Zürich

Geht im Winter der Strom aus? «Wir können genug selber produzieren»

Maurus Held, 21. Juli 2022, 23:52 Uhr
Viele Menschen haben Angst, dass spätestens im Winter das Stromchaos ausbricht. ZüriToday hat beim Stromversorger der Stadt Zürich nachgefragt, wie realistisch dieses Szenario wirklich ist – und was er dagegen unternehmen kann.

Der Energiemangel macht auch vor der Schweiz nicht Halt – und die Bevölkerung reagiert entsprechend: Immer mehr Notstromgeneratoren, Powerstationen oder Benzinkanister gehen über den Ladentisch. Die Menschen befürchten, dass es spätestens im Winter zur grossen Krise kommt und so auch Heizen nicht mehr möglich ist.

Das Wetter kann eine wichtige Rolle spielen

Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ), welches für die städtische Stromversorgung zuständig ist, möchte ein solches Szenario nicht befeuern. Grundsätzlich sei man in der vorteilhaften Lage, dass man eigene Kraftwerke habe, sagt Mediensprecherin Marie Oswald. «Dadurch können wir für unser Versorgungsgebiet genügend Strom produzieren.» Aus diesem Grund kaufe das EWZ derzeit keinen Strom dazu. Insgesamt betreibt das EWZ drei Laufwasserkraftwerke in der Stadt Zürich und 16 Wasserkraftwerke mit Stauseen im Kanton Graubünden.

Muss sich die Stadtzürcher Bevölkerung also keine Sorgen machen? «Wenn eine längere Trockenperiode herrscht und die Speicherseen leer sind, spüren auch wir das», so Oswald. «Zudem kann man jetzt nicht abschätzen, ob der Winter eher mild oder doch recht kalt sein wird.» Heisst: auch das EWZ ist von externen Faktoren abhängig, die es nicht beeinflussen kann. Um die Lage fortlaufend zu beurteilen, habe das EWZ eine Taskforce ins Leben gerufen. Diese stehe auch in regelmässigem Austausch mit den verschiedenen Behörden.

Erkenntnisse aus Coronazeit können nützlich sein

Dass die vielgenannte Energiekrise ausschliesslich auf den Ukraine-Krieg zurückzuführen ist, will das EWZ ebenfalls nicht bestätigen. «Sicher ist der Krieg ein Faktor», so Oswald.« Doch wir als Branche machen es uns schon recht einfach, nun alles auf ihn zu schieben.» Sie spricht zwei Windpark-Projekte in der Westschweiz an, die das EWZ bereits im Jahre 2009 lanciert hat. Bis heute habe man die Bewilligungen nicht erhalten; die Verfahren würden nur schleppend vorangehen. «Das machts für uns natürlich auch nicht einfacher», so Oswald.

Übrigens: Das EWZ beliefert unter anderem auch die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ), welche den Öffentlichen Nahverkehr in der Stadt betreiben. VBZ-Mediensprecherin Daniela Tobler teilt auf Anfrage mit, dass im Falle eines Stromengpasses vor allem Vorgaben auf politischer Ebene relevant würden. Basierend auf Erkenntnissen aus den Corona-Lockdowns prüfe man in verschiedenen Szenarien, wie das Angebot bei Bedarf angepasst werden könnte.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 22. Juli 2022 07:01
aktualisiert: 22. Juli 2022 07:01
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