Tiere im Teller

Gäste im Zoo Zürich essen weniger Hühner – Zürcher Politiker stört das

· Online seit 02.06.2023, 07:59 Uhr
Der Zoo Zürich tischt nur noch vegane Chicken Nuggets auf. Ein Zürcher Jungfreisinniger kritisiert das Angebot und stach bei Tierfreundinnen und -freunden in ein Wespennest. Es sei paradox, in Zoos überhaupt Fleisch anzubieten, finden sie etwa.
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Beginnt im Zoo der Magen zu knurren, ist der Popcorn-Stand nicht die einzige Option. Neben zahlreichen Kiosken bietet der Zoo Zürich auch ein grosses Gastro-Angebot. So können sich hungrige Tierfreundinnen und -freunde etwa im Restaurant Masoala oder im Restaurant Pantanal verpflegen. Inzwischen landet dort weniger Hühnerfleisch auf den Tellern.

Seit März hat der Zoo nur noch vegane Chicken Nuggets im Angebot, wie Marcel Ritter, Geschäftsführer der Zoo Restaurants und Shops gegenüber ZüriToday bestätigt. Diese bestünden aus Soja, Wasser, Weizen, pflanzlichen Ölen und Mais.

Das Hühnerfleisch hatte der Zoo schon früher aus den Nuggets verbannt. Ende 2020 ersetzte der Zoo in allen Restaurants die Chicken Nuggets durch die vegetarischen Crispy Nuggets.

«Gäste sollen Wahlfreiheit haben»

«Unser Ziel ist es, im warmen Angebot 50 Prozent der Gerichte fleischlos anzubieten», sagt Marcel Ritter. Sie erachteten dies als starkes Signal an die Besucherinnen und Besucher, auch fleischlos respektive vegan essen zu können. Für das grosse Angebot an vegetarischen und veganen Gerichten erhalte der Zoo viel Lob und Wohlwollen. «Es gibt auch Kritik von Gästen, die diesen Weg nicht gut finden.»

Dazu zählt Fabian Grau, Präsident der Sektion Zürich Unterland der Zürcher Jungfreisinnigen. Am Pfingstmontag liess er seinen Zoobesuch im Restaurant Pantanal bei Crispy Nuggets ausklingen.

Die veganen Nuggets hätten ihm zwar geschmeckt, sagt er. «Trotzdem finde ich es schade, dass der Zoo Zürich nur noch fleischlose Chicken-Nuggets anbietet.». Zoo-Restaurants seien bestimmt ein guter Ort, um Tierschutz zu leben. «Trotzdem sollen die Gäste auch dort Wahlfreiheit haben.» Diese sieht der Freisinnige zunehmend gefährdet. «Gerade beim Thema Essen kommen aus gewissen Kreisen in letzter Zeit vermehrt Forderungen für Vorschriften und Verbote.»

«Über Tierschutz lernen und dann Hühner fressen»

Sein Bedauern über die «Fake-Chicken-Nuggets» tat Grau kürzlich auf Twitter kund. Vor allem sei das eingeschränkte Angebot schade für die Kinder, schrieb er. Bei Tierfreundinnen und -freunden stach er damit in ein Wespennest.

«Im Zoo lieben die Kinder die Tiere lebend, nicht tot», wies ihn ein User zurecht. Jemand schreibt: «In den Zoo gehen, um was über Tierschutz zu lernen und dann Hühner fressen. Manche spüren sich schon überhaupt nicht mehr.»

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Ein weiterer User empfindet es als paradox, in Zoos überhaupt Fleisch anzubieten. Schliesslich sei ein Zoo heute unter anderem dazu da, Tiere zu schützen und auf deren Artensterben hinzuweisen.

Zoos ohne Fleischmenüs?

In der Ikea Möbel anschauen und danach eine Portion Kötbullar verdrücken ist weniger verfänglich, als im Zoo «herzige Tiere» anschauen und danach in ein Steak beissen. Marcel Ritter sagt dazu: «Natürlich können wir diese Haltung sehr gut nachvollziehen.»

Dennoch sind komplett vegetarische Restaurants für den Zoo Zürich zurzeit kein Thema. Ritter: «Gleichzeitig verstehen wir auch Familien, die bei ihrem Essverhalten nicht bevormundet werden wollen.» Letztlich versuchten sie auch «Fleischliebhaber» zu erreichen, und diese zu animieren, weniger Fleisch zu essen. Gerade deshalb sei dem Zoo die Beziehung zu dieser Gruppe besonders wichtig. «Bevormundung führt nach unseren Erfahrungen zu Trotzreaktionen und somit zum Gegenteil unserer eigentlichen Intension.»

veröffentlicht: 2. Juni 2023 07:59
aktualisiert: 2. Juni 2023 07:59
Quelle: ZüriToday

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