Hitze und Landwirtschaft

«Für die Zürcher Reben ist es ein perfektes Jahr»

Olivia Eberhardt, 3. August 2022, 17:27 Uhr
Der Sommer 2022 hat es in sich – für Mensch und Natur. Während die Rekordtemperaturen in einigen Landwirtschaftszweigen Sorgenfalten wachsen lassen, erfreut man sich anderswo im Züribiet an dem «perfekten Sommer».
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Freude bereite der viele Sonnenschein den Zürcher Weinbauern. «Für die Zürcher Reben ist es ein perfektes Jahr», sagt Beat Kamm, Präsident des Branchenverbands Zürcher Wein. Perfekt, weil auf die heissen Tage kühle Nächte folgten. «Ist es immer warm, ‹verkochen› die Aromen der Trauben. Dies war dieses Jahr aber nicht der Fall», erklärt Kamm und fügt an: «Die Reben sind eine relativ unkomplizierte Kultur. Generell mögen sie es aber immer lieber etwas heisser als zu feucht.»

Dank der neun bis zehn Meter langen Wurzeln der älteren Reben ist es für sie nämlich kein Problem, genug Flüssigkeit aus der Erde zu holen. Zu schaffen macht die Hitze einzig den jungen Reben, deren Wurzeln erst drei bis vier Meter lang sind. Um diese zu bewässern, werden spezielle Bewässerungssysteme installiert.

Sollte es – und die Prognosen stehen gut – keine grösseren Regenfälle oder Hagel mehr geben, könnte die Ernte laut Kamm dieses Jahr 100 bis 120 Prozent über dem langjährigen Mittel liegen. Und auch der Zeitpunkt der Traubenernte wird 2022 wohl schon früher angesetzt als in anderen Jahren, so Kamm: «Die Lese beginnt dieses Jahr wohl ab Ende August. In der ersten Septemberhälfte starten wir mit der Ernte des Riesling-Silvaner, in der zweiten Hälfte ernten wir Blauburgunder.»

Schlechtere Kartoffeln und Zuckerrüben

Negative Auswirkungen hat die Hitze hingegen auf Kartoffeln und Zuckerrüben. «Die Ernte wird qualitativ und quantitativ vom heissen Sommer betroffen sein», bestätigt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbands. Die Kartoffeln werden durch das fehlende Wasser weniger Stärke haben, bei den Zuckerrüben ist der Zuckergehalt betroffen.

Gut zurecht mit der Hitze kommt der Mais. Hier ist es laut Hodel allerdings möglich, dass die Pflanzen weniger Kolben tragen. Auch das Getreide, das bereits geerntet wurde, ist von der Hitze weniger betroffen.

Die grössten Schattenseiten haben Hitze und Wassermangel allerdings für das Grünland. Auf Flächen, die bereits gemäht wurden, wächst das Gras nicht mehr nach. Dies bedeutet nicht zuletzt auch, dass es weniger Weidflächen für Vieh gibt.

Kürbisse leiden, Kichererbsen profitieren von der Hitze

Auf der Juckerfarm im Zürcher Oberland wächst und gedeiht allerlei Obst und Gemüse. Zu den grossen Gewinnern der Hitze gehören hier laut Sprecherin Nadine Gloor die Kichererbsen und das Getreide. Den Kürbissen geht es noch ok, allerdings benötigen sie dringend viel Wasser. Sollte der Regenfall ausbleiben, wachsen sie nicht mehr weiter, was sich wiederum auf die Erntemenge auswirken könnte.

Chili, Peperoni, Gurken und Tomaten gedeihen, werden allerdings bewässert. Eine Praxis die laut Gloor aber nicht flächendeckend angewendet werden kann: «Wir können nicht überall bewässern. Erstens hat es nicht übermässig viel Wasser in den Seen und Flüssen und zweitens haben wir gar nicht die Möglichkeit alle Felder zu bewässern. Wir machen uns also schon langsam Sorgen».

Angesprochen darauf, wie es den Blumen geht, mein Gloor augenzwinkernd, dass es schön wäre, wenn bald Leute kämen und sie pflücken würden. Den Blumen gehe schliesslich wie den Menschen: Ihnen ist es zu heiss.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 4. August 2022 08:15
aktualisiert: 4. August 2022 08:15