Zürich

Filial-Abbau von Post – Grüner Kantonsrat fordert mehr Leerungszeiten

Filial-Abbau

Kantonsrat Forrer will Post öfter zum Boxen-Leeren schicken

· Online seit 30.05.2024, 04:30 Uhr
Die Schweizerische Post schliesst in den nächsten Jahren 170 Filialen. Zürcher Kantonsrätinnen und -räte kritisieren den Abbau. Insbesondere für dringende Briefe wird es laut Thomas Forrer von den Grünen künftig knapp.
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Bei Frau Müller auf der Post kurz ein Päckli oder einen dringenden Brief aufgeben – dies dürfte künftig vielerorts kaum mehr möglich sein. 170 Filialen schliesst die Schweizerische Post bis 2028. Jede fünfte Poststelle verschwindet damit. Der gelbe Riese setzt zu diesem Kahlschlag an, weil die Frequenzen an den Schaltern erneut deutlich abgenommen haben.

Zürcher Kantonsräte kritisieren den Schritt. Die Filialschliessungen seien ein klarer Abbau des Service public, sagt SVP-Kantonsrat Domenik Ledergerber zu ZüriToday. «Bei der Brief- und Paketpost sind die Preise immer gestiegen und gleichzeitig baut man Filialen ab – das werden viele Leute nicht verstehen.»

Als grosse Leidtragende erachtet Ledergerber die Gewerbebetriebe. «Es wird teurer und aufwändiger, wenn Gewerbetreibende extra an einen anderen Ort fahren müssen, um auf der Post einen eingeschriebenen Brief oder ein Paket aufzugeben.» Einige Gewerbetreibende schätzten es auch, wenn sie ihre Kassen abends auf der Post sicher deponieren könnten. Ledergerber fordert, dass die Post als Kompensation für den Abbau ihre Agenturen fördert. «Sodass man zum Beispiel in einer Volg-Filiale eine Einzahlung tätigen und ein Paket abgeben kann.»

«Brief kommt nicht mehr rechtzeitig an»

Künftig soll das Netz aus noch 600 Filialen bestehen. Geht es nach dem grünen Kantonsrat Thomas Forrer, genügt dies nicht. «Es wäre optimal, wenn es in jeder Gemeinde eine Poststelle gäbe», sagt er. Bereits heute müssten manche Kundinnen und Kunden bis zur nächsten Filiale weit reisen. «Gibt es noch weniger Filialen in der Nähe, führt dies zu längeren Reisewegen und zusätzlichem Verkehr.»

Forrer sieht auch im Versand von dringenden Briefen ein Problem. Seit 2021 hat die Post die tägliche Leerung bei einigen Briefkästen in den Vormittag verschoben. Auf der Post abgegebene Briefe kämen am nächsten Tag beim Empfänger an, sagt Forrer. «Muss ich erst nach der Leerung morgens einen dringenden Brief verschicken und kann diesen nur in den Briefkasten werfen, kommt dieser nicht mehr rechtzeitig an.» Forrer fordert deshalb: «Bietet die Post weniger Filialen, müssen die Briefkästen wieder häufiger geleert werden.»

«Quer durch die Stadt fahren für Geschäftspost»

FDP-Kantonsrätin Sonja Rueff-Frenkel hat teilweise Verständnis für den Filial-Abbau. «Der Abbau ist eine logische Folge der Digitalisierung», sagt sie. Dennoch halte sie einen solch drastischen Abbau gerade in den ländlichen Gebieten nicht für nötig. Auch für das Gewerbe in der Stadt seien weniger Filialen ein Hindernis. «Es darf nicht so weit kommen, dass man jeden Tag quer durch die Stadt fahren muss, um die Geschäftspost zu holen oder zu versenden.»

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Für Pakete sieht Rueff-Frenkel aber keine Probleme. Die Post biete bereits Abholservices und Automaten an. Auch das Papeterie-Angebot in den Filialen sei vernachlässigbar. «Dieses Sammelsurium von Glückwunschkarten bis Couverts ist nicht nötig.»

Post informiert ab Juli

Die Schweizerische Post verteidigt das ausgedünnte Filialnetz. Wegen der Digitalisierung veränderten sich die Kundenbedürfnisse laufend, sagt Post-Mediensprecherin Silvana Grellmann. «Der Zahlungsverkehr am Schalter ist in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent zurückgegangen.»

Laut Grellmann ist es der Post wichtig, ihren Service weiterhin vor Ort anbieten zu können und nahe bei den Menschen zu sein. «Darum wird es einen ausgewogenen Mix zwischen Filialen und anderen Services geben.» Zur Debatte stünden Agenturlösungen, Hausservices und My Post 24 Automaten. Ab Juli werde die Post die Mitarbeitenden der betroffenen Filialen, Kantone und Gemeinden informieren. «Dann schauen wir bei jeder aufgehobenen Filiale mit der Gemeinde individuell, welche Lösung die beste ist.»

veröffentlicht: 30. Mai 2024 04:30
aktualisiert: 30. Mai 2024 04:30
Quelle: ZüriToday

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