Bezirksgericht Zürich

Er stach einen FCZ-Fan nieder: Trump-Anhänger muss 5,5 Jahre ins Gefängnis

20. Juli 2022, 17:40 Uhr
Ein 24-Jähriger Zürcher stand vor Gericht, weil er im Sommer 2021 einen FCZ-Fan mit fünf Messerstichen beinahe tödlich verletzte. Zudem musste er sich wegen Drogendelikten, Diebstahl und Sachbeschädigung verantworten. Nun hat das Bezirksgericht Zürich sein Urteil gefällt.

Quelle: TeleZüri / Sendung vom 25. Oktober 2021

Das Bezirksgericht Zürich hat am Mittwochnachmittag einen 24-Jährigen zu 5 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Zürcher hatte im Sommer 2021 in einem T-Shirt mit der Aufschrift «White Lives Matter», ein unter Rassisten in den USA weit verbreiteter Spruch, eine Fangruppe des FC Zürich im Einkaufszentrum Sihl City provoziert und einen 18-Jährigen mit fünf Messerstichen lebensgefährlich verletzt.

Anwalt plädiert auf Notwehr

An der Verhandlung hatte der junge Schweizer seinen Anwalt auf Notwehr plädieren lassen. Das Gericht sah es aber als erwiesen an, dass der Student von hinten auf den Kontrahenten losging, als der Streit schon beendet war. Dabei habe er durch Stiche gegen den Oberkörper den Tod des jungen Mannes zumindest in Kauf genommen, sagte der Richter.

Freigesprochen wurde der 24-Jährige vom Vorwurf des Raufhandels. Als solcher gilt eine tätliche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen. Die Richter sahen aber bloss zwei Personen beteiligt. Drei weitere FCZ-Fans wurden entsprechend ebenfalls freigesprochen.

«Häftlinge wie Sie gibt es nicht häufig»

Einer der Richter gab dem Studenten schliesslich noch auf den Weg, den Rest der Zeit im Gefängnis - er sitzt schon seit über 750 Tagen - zu nutzen. «Häftlinge wie Sie gibt es nicht häufig», sagte der Richter. Der Student sei begabt und intelligent. Er solle sich doch um einen Uni-Abschluss bemühen, eine Resozialisierung sei möglich.

Am Mittwoch wurde dem Beschuldigten der Prozess wegen diversen Drogendelikten gemacht. Er konsumierte im Laufe der Corona-Pandemie Marihuana, Thai-Pillen, Speed und Crystal Meth. Des weiteren betrieb er Hetzrede; auf Twitter schürte er Hass gegen Linke, Ausländer, Homosexuelle und Feministinnen. Zudem verherrlichte er Amokläufer wie den Norweger Anders Breivik.

«Wichtig, gegen Rassisten aufzustehen»

Nebst dem Rüstmesser, mit welchem er einen FCZ-Fan niederstach, hatte sich der 24-Jährige im Internet auch eine Machete gekauft. Mit dieser beschädigte er, zusammen mit seinem Bruder, im Juni letzten Jahres eine junge Buche und eine alte Linde im Belvoir- und im Rieterpark in der Stadt Zürich. Die Sachbeschädigungen hatten damals für Schlagzeilen gesorgt.

Der Verteidiger hatte im Anklagepunkt der versuchten vorsätzlichen Tötung auf Notwehr plädiert. Sein Mandant sei zuvor von der FCZ-Fangruppe beleidigt und verprügelt worden.  An der Verhandlung hatte der junge Schweizer seinen Anwalt auf Notwehr plädieren lassen. Das Gericht sah es aber als erwiesen an, dass der Student von hinten auf den Kontrahenten losging, als der Streit schon beendet war.

Das Opfer, das sich von den Verletzungen praktisch komplett erholt hat, hatte während dem Prozess am 16. Juni ausgesagt, dass er sein Handeln nicht bereue. «Es ist wichtig, dass man gegen Rassisten in der Gesellschaft aufsteht», sagte er in Bezug aufs «White Lives Matter»-Shirt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann noch ans Obergericht und ans Bundesgericht weitergezogen werden.

(mhe)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 20. Juli 2022 15:36
aktualisiert: 20. Juli 2022 17:40
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