Logo-Streit im HB

Bund verbietet Brasserie Federal das Schweizer Wappen

1. August 2022, 08:35 Uhr
Was für Victorinox gilt, gilt noch lange nicht für die Brasserie Federal im Hauptbahnhof Zürich. Weil der Bund Unternehmen die Nutzung des Schweizer Wappens verbietet, muss das Restaurant das Emblem für teures Geld austauschen. Wirt Reto Candrian will der Swissness trotzdem treu bleiben.

Wer einmal spätabends am Zürich HB noch etwas zu Essen gesucht hat, der kennt sie wohl: die Brasserie Federal. Seit 25 Jahren bewirtet das Restaurant die Besucherinnen und Besucher des Bahnhofs. Und es setzt dabei auf eine Menge Swissness. Das Wappen der Schweiz prangt auf dem Logo der Menükarte und den Gläsern für die zahlreichen Schweizer Biersorten, welche die Brasserie Federal anbietet.

Mit diesem Markenauftritt ist jetzt Schluss. Wie die «NZZ» berichtet, muss Brasserie-Wirt Reto Candrian das bekannte Wappen aus seinem Restaurant verbannen. Der Grund: Seit 2017 ist die Verwendung dieses Emblems für geschäftliche Zwecke verboten. So wollen es das Bundesgesetz über den «Schutz des Schweizer Wappens und anderer öffentlicher Zeichen» und das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum, das diese Regel durchsetzt.

Gesetz soll Ruf der Schweiz schützen

Das Wappen-Gesetz entsprang vor gut 10 Jahren einer Debatte um Swissness und den offiziellen Auftritt der Schweiz in der Welt. Eigentlich ging es dabei um Produkte, die sich ungerechtfertigt als «Swiss Made» schmückten und so das Wappen für Marketing-Zwecke missbrauchten. Im Vordergrund stand die Frage, wie viel Schweiz drin sein muss, damit Schweiz draufstehen darf.

Das Swissness-Gesetz betrifft allerdings nicht nur Produkte aus dem Ausland, sondern eben auch alle Firmen innerhalb der Schweiz, die mit dem Schweizer Wappen werben. Nur wenige Ausnahmen akzeptiert der Bund aus Traditionsgründen: etwa die Sackmesser-Firma Victorinox, den Schweizerischen Alpen-Club, den Touring-Club der Schweiz oder den Skiverband.

Aus Wappen wird Fahne

Die Brasserie Federal kommt nicht in den Genuss einer solchen Ausnahmeregelung. Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum sieht in dem Restaurant kein Traditionsunternehmen, das der Verwendung des Schweizer Wappens würdig ist.

Also muss Wirt Reto Candrian sein Logo nun entfernen – vom Schild über dem Eingang, von der Homepage, vom Briefpapier und von den Biergläsern. Auf rund 150'000 Franken schätzt er die Kosten für die Umstellung.

Der Schweiz bleibt die Brasserie Federal aber dennoch treu. Auf der Suche nach einem neuen Logo hat sich Candrian für eine wehende Schweizer Fahne entschieden. Im Gegensatz zum Wappen sind die Swissness-Hüter des Bundes hier weniger streng.

(osc)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 1. August 2022 08:29
aktualisiert: 1. August 2022 08:35
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