Erlenbach

Braucht es diese Fussgängerquerung oder nicht? Eine Unterführung existiert schon

Maurus Held, 22. Juli 2022, 17:45 Uhr
An der Seestrasse in Erlenbach gibts bereits eine Unterführung. Nun wird an gleicher Stelle aber noch eine Fussgängerüberquerung gebaut – zur Missgunst eines Anwohners, der den Verkehr ausgebremst sieht. Die Baudirektion des Kantons beschwichtigt: Man wolle Rollstuhlfahrern entgegenkommen.

In der Seestrasse in Erlenbach am Zürichsee werden derzeit sogenannte Niveauerhöhungen gebaut – Fussgänger-Querungsstellen mit Verkehrsinseln in der Strassenmitte. So ist dies auch auf Höhe des Bahnhofs Winkel, neben dem Immobilien- und Treuhandbüro Kehl, der Fall. Nur: genau dort gibt es bereits eine Unterführung für Fussgänger. Für den Erlenbacher Martin Fierz ist deshalb unerklärlich, weshalb es jetzt noch zusätzliche Verkehrsmassnahmen braucht.

«In erster Linie ist das Vorhaben unnötig, denn die Unterführung besteht schon seit langer Zeit. Dreissig Meter nebenan entsteht ebenfalls eine Niveauerhöhung, dort macht es schon ein wenig mehr Sinn», so der Erlenbacher. «Weshalb an dieser Stelle trotzdem auch noch Steuergelder verschwendet werden, kann ich nicht verstehen.»

«Es wird wohl zu Unfällen kommen»

Durch die neue Querungsstelle würde der Verkehr auf der vielbefahrenen Seestrasse weniger flüssig, ist der 62-Jährige überzeugt: «Es wird wohl Rückstau geben, oder die Verkehrsteilnehmer weichen auf die umliegenden Quartierstrassen aus.» Fierz wäre davon ein Direktbetroffener: Wie er sagt, lebt seine Familie seit vier Generationen in unmittelbarer Nähe der Seestrasse.

Was Fierz aber am meisten besorgt, ist die Sicherheit: Unter anderem wegen der Badi Winkel, die sich in der Nähe befindet, würden viele Familien mit Kindern die Querungsstelle begehen – «da wird es sicher zu Unfällen kommen. Und die Velofahrenden halten ja auch nicht immer, wie sie es sollten.» Die Unterführung sei bestimmt die sicherere Variante.

Ex-Gemeindepräsident setzte sich für Unterführung ein

Weshalb nun auch die Überquerung der Strasse ermöglicht werden soll, kann Fierz nur erahnen. «Das Ziel ist wohl, den Individualverkehr grundsätzlich auszubremsen, doch das ist bloss mein subjektiver Eindruck», sagt Fierz. «Die Baudirektion würde das so sicher nicht zugeben. Überhaupt hat sie die Bevölkerung nicht informiert. Wir fühlen uns recht ignoriert.»

Tatsächlich ist es die Baudirektion des Kantons Zürich, welche die Niveauerhöhung an der Seestrasse beschlossen und in die Wege geleitet hat – die Gemeinde Erlenbach könne in dieser Angelegenheit nichts machen, so Fierz. «Der ehemalige Gemeindepräsident (Sascha Patak, d. Red.) hatte sich dafür eingesetzt, dass wenigstens die Unterführung weiter bestehen bleibt.»

Autos behalten Vortritt

Auf Anfrage erklärt die Baudirektion, dass die Unterführung nicht den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes entspreche und ein behindertengerechter Ausbau auch nicht verhältnismässig sei. «Hindernisfreie Unterführungen benötigen Mindestbreiten und Maximalgefälle der Rampen, die hier nicht erfüllt werden können», teilt Mediensprecherin Isabelle Rüegg mit.

Dass die neue Querungsstelle wie von Fierz befürchtet zu Rückstau und Quartierverkehr führe, glaubt Rüegg nicht: «Wir haben die Fussgängerbewegungen in der Unterführung gemessen. Es waren nicht so viele, als dass deren Umleitung über die Strasse einen merklichen Einfluss auf den Verkehrsfluss haben würde.» Und: Weil sich die Gemeinde Erlenbach dazu entschieden hat, die Unterführung zu behalten, fällt laut Rüegg die Fussgängerstreifen-Markierung weg. «Dadurch bleibt das Vortrittsrecht bei den Autofahrern.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 23. Juli 2022 16:36
aktualisiert: 23. Juli 2022 16:36
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