Kryptowährungen

Bitcoin im Stadthaus – was Dietikon von Zug lernen kann

21. Juli 2022, 12:40 Uhr
Die Stadt Dietikon soll es wie die Stadt Zug machen und Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren. Das fordert die FDP. Aber was bringt so ein Schritt überhaupt? Die Erfahrungen in Zug zeigen: Entscheidend sind die Rahmenbedingungen und das übergeordnete Ziel.

Krypto-Fieber im Limmattal: In einem Vorstoss fordern vier Dietiker FDP-Gemeinderäte, dass die Stadtverwaltung künftig Kryptowährungen wie Bitcoin als Mittel für diverse Zahlungen wie beispielsweise Steuern akzeptieren soll.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Kryptozahlungen ebenso zum Standard gehören werden wie Kreditkarten oder Twint, ztitiert die «Limmattaler Zeitung» aus dem freisinnigen Vorstoss. Wenn die Stadt Dietikon früher als andere damit anfange, könne sie ein positives Signal erzeugen und sich im Kanton Zürich als Pionier positionieren.

Der Dietiker FDP schwebt bei ihrem Anliegen ein Modell wie in der Stadt Zug vor. Dort akzeptiert die Verwaltung seit dem Jahr 2016 Bitcoin und Ether für die Begleichung von Gebühren bis 200 Franken.

Bitcoin als Tor zur Krypto-Welt

Was bewog Zug 2016 zu diesem Schritt? Als die Bitcoin-Zahlungen eingeführt wurden, waren Kryptowährungen und die ihnen zugrundeliegende Blockchain-Technologie noch ein ganz neues Thema. Unternehmen siedelten sich im Raum Zug an, das sogenannte «Crypto-Valley» entstand – und das öffentliche Interesse an der neuen Branche nahm stark zu. Die Rahmenbedingungen waren also andere als heute in Dietikon.

Die Zuger Verwaltung wollte in diesem Umfeld Erfahrungen sammeln, wie der Zuger Stadtschreiber Martin Würmli auf Anfrage sagt: «Wir wollten herausfinden, wie Kryptowährungen und die Blockchain funktionieren. Wo lässt sich das anwenden? Wo bringt es etwas? Und wir wollten von den Krypto-Firmen als Partner ernstgenommen werden.»

Die Erfahrungen waren laut Würmli sehr positiv. Die Auseinandersetzung mit den Kryptowährungen ermöglichte es Zug, auch andere Anwendungsfelder der Blockchain zu erproben. «Bitcoin wurde für uns ein Zugangstor zur ganzen Blockchain-Technologie», so das Fazit.

Nachfrage nach Krypto-Zahlungen ist verhalten

Wird der Krypto-Zahlungskanal denn überhaupt genutzt? Der Umsatz ist überschaubar. Im Mai 2021 teilte der Zuger Stadtrat mit, dass seit der Einführung etwa 70 Zahlungen in einer Kryptowährung erfolgt waren. Dabei handelte es sich laut Würmli vor allem um Kleinbeträge zwischen 50 und 100 Franken.

Ohne Hürden läuft der Krypto-Zahlungskanal ausserdem nicht ab. Die Höhe der Zahlungen etwa ist ein Problem. Die in letzter Zeit gestiegenen Transaktionsgebühren bei Bitcoin wirkten sich negativ auf die Häufigkeit aus, mit der Zugerinnen und Zuger in dieser Währung überweisen.

Eigentlich interessant ist die Blockchain

Trotz aller Herausforderungen will Zug an Kryptowährungen festhalten. Nicht zuletzt, um die Position als technologische Vorreiterin zu halten. Immer wieder landen Anfragen aus anderen Gemeinden zu dem Thema im Zuger Stadthaus.

Diesen Gemeinden rät Stadtschreiber Würmli, das grosse Ganze nicht aus den Augen zu verlieren: «Bitcoin ist kein Selbstzweck, das Interessante ist die Technologie dahinter.» Man müsse sich gut überlegen, in welchem Kontext die Einführung von Bitcoin-Zahlungen sinnvoll sei. Geht es um ein Zusatzangebot für die Bürgerinnen und Bürger? Oder geht es darum, mit der Blockchain Erfahrungen zu sammeln?

Ist letzteres der Fall, dann müsse man aber auch bereit sein, den Weg weiterzugehen. Im Fall der Stadt Zug führte dieser Weg etwa zu einer digitalen ID. Sie soll den Zugerinnen und Zugern eine einfachere Identifikation im Internet ermöglichen – und so einen echten Mehrwert bieten.

Nachfrage nach Euro-Zahlungen ist höher

Dass es beim Thema Kryptowährungen nicht nur um einen neuen Zahlungskanal geht, räumt auch die Dietiker FDP ein. Langfristig sei das Ziel, Dietikon mit verhältnis­mässig wenig Aufwand und Kosten als fortschrittliche und inno­vative Stadt zu positionieren, sagt die Partei. Ob das ebenso gut funktionieren kann wie im Zuger Crypto-Valley – diese Frage bleibt.

Der Stadtrat ist von der Idee weniger begeistert. Technisch sei es kein Problem, Krypto-Zahlungen zu erlauben. Allerdings sehe man derzeit keine Nachfrage nach solchen Zahlungen. Man könne sich fragen, wieso man Zahlungen mit Kryptogeld ­einführen soll, solche mit Euro aber nicht, obwohl das Bedürfnis danach wohl grösser sei. So zitiert die Limmattaler Zeitung den ehemaligen Dietiker Finanzvorstand Rolf Schaeren.

(osc)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 21. Juli 2022 18:12
aktualisiert: 21. Juli 2022 18:12
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