Analog-Boom in Zürich

«An Spitzentagen erhalten wir bis zu 100 Filme»

Olivia Eberhardt, 27. Mai 2022, 11:50 Uhr
Sei es für Hochzeiten, Polterabende oder Ferien: Immer mehr Leute setzen auf die analoge Fotografie, wenn es darum geht, besondere Momente festzuhalten. Der Retro-Hype hat aber auch seine Schattenseiten.

Am Rädchen drehen, im Sucher den besten Bildausschnitt wählen und «Klick», den Auslöser betätigen. Die analoge Fotografie mit sogenannten Einwegkameras erfreut sich seit Längerem wieder grosser Beliebtheit. Diese Entwicklung spürt auch Tiziana Zürni vom Fotografie-Fachgeschäft Camera Store in Zürich. So sei die Nachfrage nach analogen Kameras aller Art in den letzten zwei Jahren stark angestiegen.

In ihrem Laden in Hottingen verkaufen sie aber nicht nur Fotoequipment, sondern entwickeln auch Bilder. Auch in diesem Bereich gibt es allerlei zu tun: «An Spitzentagen erhalten wir bis zu 100 Filme, die wir allesamt bei uns entwickeln», meint Zürni. Die Entwicklung der Filme dauert zwischen 10 und 20 Minuten, je nachdem, ob der Film farbig oder schwarz-weiss ist. Allerdings nehme auch die Vorbereitung Zeit in Anspruch. Deshalb kann es zu Spitzenzeiten durchaus etwas länger dauern, bis man zu seinen Fotos kommt, sagt Zürni.

Starkes Wachstum auf tiefem Niveau

Einen «Nostalgietrend» stellt man auch bei Interdiscount fest. Salome Balmer, Mediensprecherin bei Interdiscount vermutet aber, dass die steigende Nachfrage auch damit zusammenhängt, dass jetzt nach zwei Jahren wieder mehr Menschen verreisen und auch mehr Events stattfinden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei Digitec Galaxus. So hat sich die Anzahl der verkauften Kameras im Zeitraum von Januar bis April 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 93 Prozent gesteigert. Auch in den Vorjahren ist die Nachfrage bereits gestiegen: «Wir sehen also ein starkes Wachstum, wenn auch auf tiefem Niveau: Wir verkaufen jährlich eine fünfstellige Stückzahl an Einwegkameras», verrät Alex Hämmerli, Sprecher von Digitec Galaxus auf Anfrage von ZüriToday.

Viele Kameras heisst auch viel Abfall

Zurück in den Camera Store nach Hottingen. Hier produzieren die eingesendeten Einwegkameras nicht nur viele schöne Erinnerungen, sondern auch einen grossen Abfallberg. Wie es der Name sagt, landet die Kamera nach deren Gebrauch nämlich im Mülleimer. «Die Filmdosen beispielsweise können wir an Kindergärten abgeben, die damit basteln. Trotzdem fahren wir regelmässig ins Hagenholz, um den ganzen Abfall sachgerecht zu entsorgen, den die Einwegkameras produzieren. Dies ist schon kritisch zu betrachten», sagt Zürni. Statt auf Einwegkameras empfiehlt sie Kameras, bei denen nur der Film ausgewechselt und nicht die Kamera zerstört werden muss.

Saisonale Nachfrage

Egal ob Einweg- oder Mehrwegkamera, besonders beliebt ist die analoge Fotografie, wenn es um Ferien, Hochzeiten oder Polterabende geht. So verkauft man bei Digitec Galaxus gemäss Hämmerli am meisten Einwegkameras im Juli und August. Auch bei Interdiscount verzeichnet man eine saisonale Nachfrage, bestätigt Balmer.

Grund zur Sorge für alle jene, die sich noch nicht um die Kamera für die Sommerferien gekümmert haben gibt es laut Hämmerli aber nicht. So sei das Angebot zwar knapp, die Lage aber nicht dramatisch.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 30. Mai 2022 06:30
aktualisiert: 30. Mai 2022 06:30
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