Gerichtsprozess

Betriebsleiter nimmt Verantwortung des Stoosbahnen-Unglücks auf sich

24. November 2022, 13:44 Uhr
Drei Menschen verletzten sich im Februar 2020 teils schwer, eine weitere Person starb später im Spital. Wegen dieses Unglücks standen am Mittwoch drei Stoosbahnen-Angestellte vor Gericht. Der Betriebsleiter nahm die Verantwortung auf sich: «Ich hatte die Gefahr nicht gesehen.»

Quelle: Tele 1

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Die Vorwürfe gegen die drei Angestellten: Fahrlässige Tötung, mehrfache fahrlässige schwere Körperverletzung und mehrfache fahrlässige Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft fordert für den damaligen Betriebsleiter eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten.

Der Grund für die Vorwürfe: Die Männer sollen mitverantwortlich dafür sein, dass am 6. Februar 2020 ein Sessellift der Stoosbahnen rund zehn Meter in die Tiefe stürzte, sich dabei drei Personen (33, 33, 38) teils schwer verletzten und ein weiterer Mann (40) später im Spital starb.

Sichtlich betroffener Betriebsleiter 

Die drei Angeklagten waren am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Schwyz sehr ruhig. Die Gesichter hatten sie oftmals in ihren Händen vergraben. Der Betriebsleiter schien noch immer sehr betroffen von dem tragischen Unfall. Wie er am Mittwoch vor dem Gericht sagte, übernehme er die volle Verantwortung. «Ich hatte die Gefahr an dieser Stelle schlicht und einfach nicht gesehen. Ich hatte sie nicht auf dem Radar.» Weiter entschuldigte er sich bei den Angehörigen.

Ganz anders gab sich der Pistenbullyfahrer, er beantwortete vor Gericht keine Fragen. Der Betriebsleiter war der einzige, welcher sich schuldig bekannte. Sein Verteidiger plädierte auf eine bedingte Geldstrafe, da seinem Mandanten bloss eine unbewusste Fahrlässigkeit vorgeworfen werden könne.

Urteil noch nicht gefällt

Ein Urteil wurde am Mittwoch am Bezirksgericht Schwyz noch nicht gefällt und wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht. Darüber ist der Opferanwalt Martin Habützel enttäuscht, trotzdem ist er aber positiv gestimmt: «Das Gericht hat sich sehr mit allem auseinandergesetzt und gute Fragen gestellt. Die Grundlagen für die Schuldsprüche sind gegeben.»

Fehlende interne Kommunikation

Quelle: Tele 1

Der Unfall war laut der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) darauf zurückzuführen, dass während der Pistenvorbereitung das Windenseil des Pistenfahrzeugs mit einem Sessel in Kontakt kam. Dieses habe sich zwischen die Gehängestange und der Aufhängung verkeilt und den Sessel vom Förderseil gerissen.

Der Bericht der Sust von Juni 2021 zeigte weiter, dass der Unfall ebenfalls auf eine fehlende interne Kommunikation zurückzuführen ist. Mit dem Bericht kamen auch all die Ereignisse nochmal hoch, sagte der damalige Verwaltungsratspräsident der Stoosbahnen AG gegenüber PilatusToday und Tele 1, wie im Video-Beitrag oben zu sehen ist.

(kra/mbi)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 23. November 2022 06:10
aktualisiert: 24. November 2022 13:44