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Ladendiebe geben auf Tiktok Klau-Tipps

Krimineller Trend

Ladendiebe geben auf Tiktok Klau-Tipps

· Online seit 19.09.2023, 11:02 Uhr
Überwachungskameras, Detektive und elektronische Warensicherungen – Läden versuchen alles, um Dieben das Handwerk zu legen. Einige Langfinger wissen aber ganz genau, wie sich all das umgehen lässt und teilen ihr Wissen frischfröhlich auf Social Media.

Quelle: CH Media Video Unit / Silja Hänggi

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Wenn Influencer sich neue Klamotten, Make-up oder elektronische Gadgets bestellen, oder diese von Kooperationspartnern zugeschickt bekommen, filmen sie sogenannte «Hauls» zu deutsch «Beutezüge». Immer mehr tauchen auf Tiktok solche Beutezüge aber auch mit geklauten Sachen auf.

Lumpenpack gibt Klau-Tipps

Die Diebinnen und Diebe präsentieren stolz, was sie alles erbeutet haben. Die Palette reicht von kleineren Kioskartikeln, bis hin zu Luxusprodukten aus Kosmetikgeschäften und Kleiderläden.

Aber nicht genug damit, dass sich die Täterinnen und Täter damit brüsten, was sie sich alles unerlaubterweise in die Taschen gestopft haben, zusätzlich geben sie auch noch Tipps zum Klauen. Von ihren Followern erhalten sie dafür Ruhm und Anerkennung.

In ihren Videos geben sie Anleitungen dazu, wie man die Etiketten am besten wegkriegt, auf was man im Geschäft achten soll, um nicht aufzufallen – und zu guter Letzt geben sie noch Tipps, wie man sich am besten kleidet.

Gewitzte Diebe umgehen Sperre auf Tiktok

Lockere Kleidung mit langen Ärmeln und eine grosse Tasche werden für Streifzüge empfohlen. Ausserdem raten einige «Borrowers», wie sie sich nennen, zum Beispiel so zu tun, als würde man in der Tasche etwas suchen und die Beute reinfallen zu lassen.

Übrigens nennen es die Gaunerinnen und Gauner auch «Borrowing» also «Ausleihen» und das aus dem einfachen Grund, dass Wörter wie Diebstahl oder Klauen von den Plattformen gesperrt werden. Das Wort «Ausleihen» verharmlost den ganzen Hype zusätzlich.

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Diebe werden immer aggressiver 

Ladendiebstähle nehmen auch in Grossbritannien immer mehr zu und werden gar als «Epidemie» bezeichnet. Einige grosse Einzelhändler haben sich bereit erklärt, die nötige Polizeiarbeit selber zu finanzieren. Insgesamt 600'000 Pfund sollten von zehn Einzelhändlern für dieses Projekt beigesteuert werden, berichtet «BBC».

Im Gegenzug soll die Behörde Aufnahmen von Dieben auf Überwachungskameras mit ihren Datenbanken vergleichen und dabei auch Software zur Gesichtserkennung einsetzen. In den letzten sechs Jahren haben sich Ladendiebstähle in Grossbritannien geschätzt auf acht Millionen mehr als verdoppelt. Der jährliche Schaden betrage rund eine Milliarde Pfund, heisst es.

Die Diebe werden immer dreister und aggressiver – und sie kommen aus allen Gesellschaftsschichten. «Es gibt Mütter, die Waren in Kinderwagen stecken, es gibt Rentner, Kinder und Teenager auf Rädern», erzählt Benedict Selvaratnam, dem ein kleiner Supermarkt in Südlondon gehört, der BBC. «Wir sehen einen grossen Anstieg bei organisierten Banden, die auf Bestellung stehlen, ob Kaffee, Honig oder Fleisch.»

Premierminister bezieht Stellung

Zahlen des Handelsverbands British Retail Consortium (BRC) zeigen, dass gemeldete Diebstähle in England und Wales 2022 um rund ein Viertel (26 Prozent) gestiegen sind. Den Schaden schätzt der BRC auf fast eine Milliarde Pfund (1,16 Mrd Euro) im Jahr. «Eindeutig inakzeptabel» nannte Premierminister Rishi Sunak die Lage.

Die Branche macht in erster Linie gestiegene Lebenskosten für die zunehmenden Diebstähle verantwortlich. Wurden zuvor in erster Linie teure Gegenstände gestohlen, würden nun häufiger Alltagsprodukte geklaut, sagt Muntazir Dipoti, der Präsident des Verbands Federation of Independent Retailers, der unabhängige Händler vertritt.

Polizei kann nicht allen Diebstählen nachgehen

Beleidigungen und sogar Attacken von Mitarbeitern nähmen zu, zitierte die Nachrichtenagentur PA den Verbandschef Dipoti. Dutzende Eigentümer hätten zuletzt aufgegeben, vor allem Frauen würden sich nicht mehr trauen, allein in den Shops zu arbeiten.

«Wir brauchen eine stärkere Polizeipräsenz, vor allem abends», sagt Benedict Selvaratnam, ein Ladenbesitzer aus dem Süden Londons. Wenn er mal die Polizei gerufen habe, sei sie nicht aufgetaucht. Auch deshalb melden viele Ladenbesitzer Diebstähle gar nicht.

Kleine Läden und grosse Unternehmen gleichermassen klagen aber auch über laxe Strafen. Wer Ware im Wert von maximal 200 Pfund stiehlt, kommt in aller Regel mit einer geringen Geldstrafe davon. «Ladendiebstahl wurde faktisch entkriminalisiert», sagt Handelsexperte Dixon.

(roa/BBC/mit Material von der sda)

veröffentlicht: 19. September 2023 11:02
aktualisiert: 19. September 2023 11:02
Quelle: Today-Zentralredaktion

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