Dating

«Innere Arbeit führt zum Erfolg in der Liebe» – darum bist du wahrscheinlich noch Single

Marija Lepir, 13. November 2022, 13:45 Uhr
Viele Leute empfinden das Kennenlernen potenzieller Liebespartner heute als schwierig. Die Corona-Pandemie und das omnipräsente Online-Dating haben ihren Teil dazu beigetragen. Eine Dating-Expertin verrät, woran es in der heutigen Zeit scheitert und wie man wirklich seine Liebe findet.
Vor dem Schlafen noch kurz auf Tinder vorbeischauen. Dating-Apps können Fluch und Segen sein. Wichtig ist, sich selbst Ziele zu setzen.
© Keystone
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Früher war alles besser. Dass das zumindest beim Thema Dating zutrifft, legt eine repräsentative Umfrage des Magazins «Playboy» nahe. 51 Prozent der Befragten haben dort angegeben, dass es vor 20 Jahren noch viel einfacher gewesen ist, eine Partnerin oder einen Partner zu finden. Als Hauptursache gaben die Befragten vor allem die Dating-Portale an. «In einer Zeit, in der alles möglich ist, fällt es schwer, sich festzulegen. Zu viel Auswahl kann auch überfordern», so die Forschungsleiterin.

Aber stimmt das? Eine, die es wissen muss, ist die zertifizierte Life- und Dating-Beraterin Sandy Kaufmann. Als Coach hilft sie Menschen seit 2018 nicht nur dabei, die Liebe zu finden, sondern auch durch diverse Lebenskrisen.

Mit welchen drei Worten würden Sie den aktuellen Datingmarkt beschreiben?

Sandy Kaufmann: Ich würde sagen: online, Hass und Liebe.

Wieso?

Einerseits sehen die Leute Dating-Apps als Erleichterung. Durch Apps ist es einfach geworden, neue Leute kennenzulernen. Andererseits war das Nutzen von Online-Plattformen gerade während der Corona-Pandemie quasi ein Muss. Jetzt, nach der Pandemie, merkt man, dass immer mehr Leute die Nase voll davon haben, alles online zu machen. Ich bemerke auch, dass Leute, die Dating-Apps nutzen, immer öfters an einem Dating-Burnout leiden.

Ist es heutzutage wirklich schwieriger, einen Partner oder eine Partnerin zu finden?

Jein. Einerseits ist es schwieriger, weil wir als Gesellschaft weniger Druck haben, zu heiraten und sesshaft zu werden. Früher ist man entweder Single geblieben oder hat geheiratet. Heutzutage gibt es viele andere Möglichkeiten. Deshalb muss einem klar sein, welche Art von Beziehung man überhaupt will. Viele Leute priorisieren zuerst ihre Karriere und merken dann mit 35 oder 40 Jahren, dass sie eigentlich doch noch sesshaft werden wollen.

Andererseits hat man durch das Online-Dating wahnsinnig viele Möglichkeiten, einen Partner oder eine Partnerin zu finden und auch mehr Auswahl. Dazu kommt, dass die Corona-Pandemie die Sicht der Menschen auf Beziehungen verändert hat. Ich merke, dass die Leute mehr reflektieren und sich Fragen stellen, damit es in der Liebe wirklich klappt.

Sandy Kaufmann arbeitet seit 2018 als Life- und Love-Coach in Zürich und hilft Frauen sowie Männern nicht nur bei der Partnersuche, sondern auch durch schwierige Lebenssituationen.

© zVg/Sandy Kaufmann

Ist das Dating ab einem gewissen Alter schwieriger?

Für mich ist es keine Frage des Alters, sondern der unbewussten Sicht auf die Liebe. Diese entsteht durch die Erlebnisse in der Kindheit und wie man selbst Liebe erfahren hat. Die meisten Leute wollen eine Beziehung. Wenn es dann aber nicht klappt, hat das nichts mit dem Willen zu tun, sondern damit, wie man gelernt hat zu lieben. Unbewusste Glaubenssätze und Ängste sind für mich die Hauptursache für gescheiterte Beziehungen.

Wie genau hat die Corona-Pandemie das Dating beeinflusst?

Noch bis Ende 2021 habe ich stark wahrgenommen, dass die Leute an sich arbeiten wollten. Ich hatte Paare, die zu mir gekommen sind, weil sie ihre Beziehung verbessern wollten. Oder auch Singles, die bis dato den Fokus auf ihre Karriere gelegt hatten und jetzt etwas ändern wollten.

Seit diesem Sommer hat es sich wieder etwas reguliert. Das liegt sicher auch daran, dass wir wieder alle Freiheiten haben. Gemessen am Feedback meiner Kundinnen und Kunden hat die Partnersuche mehr Gewicht bekommen als noch vor der Pandemie.

Wir wollen zwar jemanden finden, sind beim Dating aber ungezwungener als früher. Woran liegt das?

Wenn man jemanden online kennenlernt, gibt es keine sozialen Kreise. Ein Beispiel: Wenn man auf der Strasse auf unangenehme Weise von jemandem angesprochen wird, drehen sich die anderen Leute um und schauen komisch. Unangebrachtes Verhalten wird auf sozialer Stufe sofort abgestraft. Lernt man jemanden online kennen, entfällt das natürlich. Dadurch hat man automatisch weniger Druck, sich gut zu verhalten. Durch den fehlenden sozialen Druck fällt es auch einfacher, sich weniger zu melden oder jemanden zu ghosten. In der ersten Kennenlernzeit, auch wenn man bereits einige Dates hatte, sind das Umfeld, sprich die Familie und Freunde, noch nicht involviert.

Früher hat man seinen Partner oder Partnerin häufig durch die Familie kennengelernt. Da musste man sich gut überlegen, ob man mit seinem schlechten Verhalten ein Problem verursachen will. Aus einer sozialen Gruppe verstossen zu werden, ist das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Das riskiert man ungern.

Wenn plötzlich Funkstille herrscht und man eben geghostet wird, wie geht man am besten damit um?

Man muss zunächst definieren was Ghosting ist. Wenn ich mit jemandem auf einer App schreibe und diese Person antwortet nicht sofort, ist es nicht gleich Ghosting. Heutzutage ist man schnell abgelenkt von anderen Dingen und vergisst dabei schlichtweg zu antworten. Für mich ist es erst Ghosting, wenn man bereits eine Art von Beziehung aufgebaut hat. Wenn man sich schon einige Male getroffen hat und die Person meldet sich plötzlich nicht mehr. Das kann ein hartes Erlebnis für die betroffene Person sein. Man fragt sich, wieso das Gegenüber das gemacht hat, und kann für sich keinen Schlussstrich ziehen.

In einem solchen Fall empfehle ich immer zwei Sachen: Man darf ruhig mutig sein und die andere Person wissen lassen, dass man ihr Benehmen nicht korrekt findet. Ausserdem sollte man in sich gehen und sich fragen, wie man zum Thema «verlassen werden» steht. Ist es ein Thema, dass sich bei mir wiederholt? Sei es in einer Freundschaft, in der Arbeit oder der Familie. Ghosting reisst sehr oft Verletzungen aus der Vergangenheit auf.

Zum Schluss: Welche drei Dating-Tipps können Sie uns mit auf den Weg geben?

Mein erster Tipp wäre, an seinen unbewussten Ängsten zu arbeiten, denn sie können unsere Beziehungen extrem beeinflussen. Innere Arbeit führt zum Erfolg in der Liebe.

Mein zweiter Tipp ist für alle, die Online-Dating ausprobieren wollen. Man sollte für sich zunächst definieren, welchen positiven Nutzen Apps für einen haben. Gleichzeitig sollte man die Grenze ziehen und wissen, ab wann es einem schadet. Hier rate ich, für die Nutzung eine feste Zeit festzulegen. So vermeidet man, in ein Dating-Burnout zu rutschen, in dem man die App plötzlich exzessiv nutzt und dann plötzlich aufhört. Man trifft zwar schnell viele Leute, aber nur ein Bruchteil davon ist kompatibel mit einem. Dating braucht deshalb Geduld und Zeit.

Der dritte Tipp ist für alle, die lieber jemanden im echten Leben kennenlernen wollen. Man muss lernen, offen zu sein. Das kann man sehr einfach trainieren, indem man sich angewöhnt, fremden Leute in die Augen zu schauen und sie anzulächeln, vielleicht auch mal Smalltalk zu führen.

Weiter sollte man sich nicht darauf versteifen, einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Das beeinflusst und kann blockieren. Es ist sinnvoller, sich vorzunehmen, seinen Freundeskreis zu erweitern und mehr Spass zu haben. So unternimmt man mehr Sachen, die einem Freude bereiten und lernt automatisch Leute kennen, die kompatibler mit einem sind.

Sandy Kaufmann bietet ein kostenloses Webinar zum Thema Liebe und Dating an.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. November 2022 05:47
aktualisiert: 13. November 2022 13:45