«Love, Lena, Lucy»

Heisse Einläufe statt hotter Dudes – oder der Libido-Fluch aus Sri Lanka

4. Juli 2022, 08:26 Uhr
Lena glaubt, ihr Leben wurde von einem Guru verhext. Sie ist verknallt in ihren Arbeitskollegen und kann mit Lucys Eskapaden grad überhaupt gar nichts anfangen. The struggle is real!
Lucy und Lena sind Freundinnen, Singles und Zürcherinnen.
© ZüriToday
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Liebe Lucy, heute habe ich leider kein Mitleid für dich. Und ich habe auch keine Zeit, mich um deine Bro-Brudi-Irgendöppisliebe zu kümmern. Ich bin in einer dringenden Ich-Phase, die wirklich verdammt akut ist.

Ich. Habe. Keinen. Sex.

Du erinnerst dich vielleicht, dass ich bitz blöffig von meiner Libido geschwärmt habe. Jetzt möchte ich sie loswerden, outsourcen, töten! Meine Libido sagt (24/7): “Hopp, mach, wir wollen Sex.” Der ganze Rest der Welt derweil so: “Lena wer?”

Lucy, bei mir läuft grad gar nichts. Keine Flirts, keine Dates, keine nervigen Altlasten. Und ich weiss leider auch warum.

Erinnerst du dich an mein Yoga-Retreat der Hölle in Sri Lanka? Da, wo ich statt hotten Dudes heisse Einläufe bekam und der Guru mein Grossvater in Buddha-Reinkarnation war? Guru hat mein Leben gekapert, jetzt.

Guru sagte damals (ich weiss, wir haben monatelang darüber gelacht): “Wenn dein Herz nicht frei ist, bist du gefangen in der Zwischenwelt.” Wie platt kann man sein?!

Jetzt bin ich angekommen in der Zwischenwelt, denn ich bin verknallt. In meinen Arbeitskollegen.

Es kam aus dem Nichts und es geht nicht wieder weg. Wenn ich ihn sehe, sehe ich uns am Sonntagmorgen im Bett. Wenn er Kritik an meinen Ideen anbringt, muss ich kurz aufs WC heulen gehen. Wenn er länger arbeitet, habe ich 1000 Gründe auch länger zu bleiben (was er natürlich null merkt).

Wie um Himmels Willen konnte das passieren Lucy?

Er ist nicht heiss, er ist nicht cool, er ist ein Nobody. Von dem ich gestern geträumt habe, dass wir zwei Wochen in der Toscana waren und nonstop unglaublich fantastischen Sex hatten. Und als wäre das nicht genug, hat er eine Nonna in einem kleinen Ort dazu überredet, uns eine Pasta in ihrem Garten zu servieren, bevor er im grauenhaft lauten Grillengezirpe auf die Knie ging und mir sagte, dass er ohne mich nicht mehr leben will.

So stehe ich also morgen im Büro und schmachte einen Typen an, der zwar wohl weiss wo die Toscana liegt, aber ganz bestimmt nicht von mir beim Pastaessen träumt.

What the fuck is wrong with me? Warum passiert mir das, was wir doch x mal diskutieren und belächeln bei unseren Freundinnen? Ich muss also dringend raus aus dem Guru-Strudel und während ich das schreibe, meldet sich mein Exit-Plan. Oder vielleicht sollte ich besser Ex-Plan sagen.

Tom hat geschrieben. Er vermisst mich und möchte essen gehen. Und weisst du was? Wenn der in der Zwischenwelt ist und ich in der Zwischenwelt bin, dann geh ich jetzt einfach essen mit ihm.

Der Züri-Italo ist vielleicht nicht die toscanische Nonna, aber Pasta gibts da auch. Und wenn dann “Felicita” läuft und Tom das macht, was er immer gerne unter dem Tisch gemacht hat, dann können sich Guru und Arbeitskollege ficken und Tom und ich ja vielleicht auch.

Deal? Deal. Du hörst von mir, ob du willst oder nicht…

Xoxo, Lena

Ps. Einfach, dass es noch gesagt ist: Du hast dir vom vielen Sex eine Blasenentzündung eingefangen (fick dich dafür bitz) und ich möchte kurz den Moment nutzen, dir eine Aufklärungs-Auffrischstunde zu geben: Lucy, wenn du mit einem fremden Mann viel Sex hast, kann das tatsächlich passieren, weil - very sexy - dein Immunsystem die fremden Bakterien noch nicht kennt.

Aber: Du weisst also schon, dass du verhüten musst (und zwar nicht so, wie es unsere Mütter getan haben) und nach dem Sex aufs WC gehen sollst. 

Du weisst es, oder?

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 23. Juni 2022 16:00
aktualisiert: 4. Juli 2022 08:26