Nicht nur Aberglaube...

Das Pech verfolgt sie selbst: Schwarze Katzen bleiben länger in Tierheimen

Maurus Held, 11. Januar 2023, 14:49 Uhr
Dass schwarze Katzen Unglück bringen, ist ein alter Aberglaube. Laut einem Tierheim und einer Tierschutzorganisation wiegen mittlerweile andere Gründe schwerer, weshalb nicht-schwarze Katzen schneller wegkommen.
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Der französische Schriftsteller Max O’Rell sagte einst: «Ob eine schwarze Katze Glück oder Unglück bringt, hängt davon ab, ob man ein Mensch ist oder eine Maus.» O'Rell lebte vorwiegend während des 19. Jahrhunderts – der Aberglaube der Pech bringenden schwarzen Katze existierte schon damals.

Und noch heute scheint er in den Köpfen der Menschen präsent zu sein, auch in jenen von Katzenliebhabern. Denn diese bevorzugen eher nicht-schwarze Katzen, wenn es um eine Adoption geht. Diverse Tierheime haben diese Beobachtung schon gemacht: In einem Wurf mehrerer Kitten kommen die meisten schnell weg – nur auf denjenigen Katzenbabys, die schwarz sind, bleiben sie länger sitzen.

Schwarz steht für Tod und Trauer

Das Tierheim Strubeli in Volketswil, das Ähnliches übrigens auch bei schwarzen Hunden erlebt, hat hierfür eine Erklärung: «Die meisten potentiellen Katzenhalter sagen, dass ihnen das rein Schwarze aus ästhetischer Sicht nicht gefällt», sagt es gegenüber ZüriToday. Spielt der Faktor Aberglaube also doch keine Rolle? «Wenn, dann vor allem bei älteren Menschen. Von jungen Katzenhaltern hören wir diese Begründung nicht.»

Auch die Tierschutzorganisation NetAP teilt ZüriToday mit, dass der Aberglaube hierzulande gar nicht so stark ausgeprägt sei – viel eher sei dies in östlichen oder südlichen Ländern der Fall. Dennoch würden grundsätzlich viele Menschen die Farbe Schwarz mit Trauer, Dunkelheit oder dem Tod verbinden.

Ein anderer Grund, den NetAP nennt: Die sozialen Medien. «Schwarze Katzen sind schwieriger zu fotografieren. Bei unserer Selfie-Kultur kann dies durchaus einen Faktor spielen.»

Früher oder später findet sich immer jemand

Tatsächlich sei es so, dass man die Gesichtsausdrücke von gänzlich schwarzen Katzen weniger gut sieht, teilt auch das Tierheim Strubeli mit. Und schwarze Hunde würden in den Augen vieler automatisch ein wenig böser aussehen – «das schreckt gewisse Menschen wohl ab.»

Du hast selber ein schwarzes Haustier?

Damit schwarze Katzen und Hunde dennoch Unterschlupf in einem neuen Zuhause finden, stellt das Tierheim bewusst vor allem ihre Inserate auf die Website. «Dadurch finden wir früher oder später immer eine neue Besitzerin oder neuen Besitzer.» Bei den andersfarbigen Tieren sei das nicht im gleichen Ausmass nötig.

Schwarze Katzen haben ihren eigenen Tag

Gleichzeitig versucht das Tierheim, mit den Vorurteilen, die über schwarze Tiere herrschen, aufzuräumen: «Wir klären auf und sagen, dass die Tiere genau denselben Charakter haben, unabhängig von ihrer Farbe.» Oder wie es NetAP ausdrückt: «Wenn jemand eine Katze nur nach der Fellfarbe auswählt, sollte er oder sie generell auf die Katzenhaltung verzichten.»

Übrigens: Am 17. August wird der Ehrentag der schwarzen Katze abgehalten. Dieser Tag wurde 2011 ins Leben gerufen, um ihre Adoption zu fördern.

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Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 12. Januar 2023 07:09
aktualisiert: 12. Januar 2023 07:09