«Love, Lena, Lucy»

«Ciao a tutti, Pasta Pizza, hau doch ab!»

11. August 2022, 10:12 Uhr
Lena will ihren Kink-Ex vergessen, während Lucy ihren Kinder-Ex getroffen hat. In Mailand soll alles besser werden. Kann das wirklich funktionieren?
Lucy und Lena sind Freundinnen, Singles und Zürcherinnen.
© ZüriToday

Liebste Lucy, ich möchte zwar ganz dringend wissen, was bzw ob du Karl eine Antwort geschickt hast auf seine «Ich hab jetzt ein Kind und hab total Mitleid mit meiner Single-Ex»-Message. Aber, sorry, ich muss erst meine kleine crazy Therapie-Nummer loswerden.

Du erinnerst dich: Mein kinky Ex hat mir einen Strich durch sozusagen alle offenen Rechnungen in meinem Liebesleben gemacht. Deshalb habe ich mich entschieden, kurzfristig Bilanz zu ziehen und zwar richtig. 

Eine Reise musste her. Sofort.

Da aktuell alle Flüge scheisse sind und mein Chef seit meiner Büro-Post-it-Affäre bitz komisch auf mich zu sprechen ist, hatte ich nur zwei Tage und musste improvisieren. Mailand it was. Ist nahe, ist Ausland, ist Stadt, kommt gut (dachte ich mir). 

Also buchte ich ein Hotel in der City, packte für mein Alter-Ego und stieg am HB in den Zug mit der Mission, zwei Tage als Femme fatale in einer fremden Stadt zu verbringen. Super Idee, eigentlich. Beim ersten Aperol in einer netten Gasse, kamen mir allerdings die ersten Zweifel. 

Schon der Kellner ging mir auf den Sack. «Ciao Bellissima, ma, wie schön bist du und so ganz alleine.» Echt etz? Mein aufgesetzter American-Akzent half leider nichts, der Kellner gab nicht auf, schwänzelte rum, redete, nervte. Also ging ich weiter.

Navigli, der Kanal mit den vielen Bars schien mir ein perfektes Terrain für mich. Aber während ich von Lost-in-Translation-Begegnungen träumte mit crazy philosophischen Dialogen, kam der nächste Italo angerannt, der mich die allerschönste, allereinsamste und allerbegehrenswerteste Signorina del mondo fand. Ich fand auch ihn nur unglaublich nervig und entschied mich für den Rückzug an die Hotelbar. You know, ich liebe Hotelbars!

Der Negroni war schnell bestellt, der Fummel sass, ich war parat. 

Mauro war es leider auch.

«Bella, deine traurigen Augen brauchen ein Heilmittel, es sitzt vor dir», raunte er mir ins Ohr. Ich antwortete ihm als american Girl (du erinnerst dich, das hat noch immer funktioniert): «Oh darling, thanks, but my husband is waiting upstairs.» 

Mauro interessierte das null. Er schnulzte weiter, strich mir übers Bein, bestellte abartige Avernas und verfasste (glaub) Gedichte über die traurigen Augen der figlia americana. 

Ich sags dir, gäbe es noch Nachtzüge von Mailand nach Zürich, wäre ich direkt eingestiegen. Gibt es aber nicht. Und so trat ich den Weg zum Zimmer an, stieg in den Lift, bis es Klack machte. Der Barkeeper hielt den Fuss in die Tür. «Willst du ganz alleine schlafen, Bellezza?» Ich dachte wieder an den Nachtzug. Und dann dachte ich: Lena, wie verdammt verpeilt kannst du eigentlich sein und nach Mailand gehen, wenn das letzte, was du gerade suchst, ein Südländer ist. 

Tja, und so war ich bereits am Samstagmittag zurück in Zürich, marschierte mit meinem Köfferli an die Bahnhofstrasse und bestellte mir ein Glas Champagner. Keine Sau interessierte sich für mich oder mein Alter-Ego und ich liebte es. 

Drum habe ich jetzt grad voll den Super-ego-Groove, liebste Lucy und ich sage dir: Dein Ex hat jetzt ein Kind? So what?! Mein Ex vermisst mich ab und zu? Ähä! Unsere Affären können sich nicht entscheiden? Aaaaawwww! Fuck em all. Und fuck Mailand und sowieso. Lucy, wenn du nicht bald mit der Erfolgsgeschichte auftrumpfst, gründen wir eine Kommune, schreiben Gedichte für Typen mit traurigen Augen und nennen alle Bello und weissichnichtwas. 

Deal oder? Für immer dein mit viel Wein, Lena

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 4. August 2022 16:00
aktualisiert: 11. August 2022 10:12
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