Sport

Zürcher Derby: Die FCZ-Fans dürfen trotz Strafe beim Hochrisikospiel dabei sein

GC gegen FCZ

Chlöpfts wieder? Die Südkurve darf trotz Strafe ans Derby

04.02.2022, 09:22 Uhr
· Online seit 21.01.2022, 10:57 Uhr
Nach den Krawallen beim letzten Derby soll am Samstagabend wieder der Fussball im Fokus stehen. Die beiden Klubs und die Polizei stehen dafür in engem Austausch — auch mit den Fans.

Quelle: TeleZüri / Ausschreitungen nach dem Stadtzürcher Fussball-Derby / vom 25.10.2021

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Das Stadtderby am 23. Oktober 2021 ist kaum abgepfiffen, da steigen plötzlich FCZ-Hooligans mit glühend heissen Pyrofackeln in der Hand auf die Tartanbahn des Letzigrunds hinunter. Sie rennen in Richtung des GC-Fansektors, und prompt landen die Fackeln dort auf den Zuschauerrängen. Dort, wo sich immer noch zahlreiche Fans, darunter auch Familien und Kinder, befinden.

Es grenzt an ein Wunder, dass sich niemand böse Verbrennungen zuzieht. Den GC-Fans gelingt es, die Fackeln zurück auf die Laufbahn zu werfen, da machen sich die rund 50 Hooligans inmitten des schwarzen Blocks der Südkurve bereits wieder unauffindbar. Konsequenzen sollte diese gemeingefährliche Aktion aber dennoch haben.

Strafe gilt nur für Heimspiele

Die FCZ-Fanszene wird rund einen Monat später nämlich von der Disziplinarkommission der Swiss Football League (SFL) gebüsst: In den nächsten zwei Heimspielen gegen GC muss der Sektor D des «Letzi», also die Südkurve, geschlossen bleiben. Das 277. Stadtderby diesen Samstagabend ist aber ein Heimspiel von GC, der FCZ ist Gast — gut möglich also, dass es zwischen beiden Fangruppierungen wieder klöpft.

Zumindest vonseiten der Stadtpolizei Zürich wird das Derby denn auch als Hochrisikospiel eingestuft: «Entsprechend bereiten wir uns darauf vor», sagt Mediensprecherin Judith Hödl. Dabei sei man in einem stetigen und engen Austausch mit den Grasshoppers und dem FCZ. «Situativ stehen wir auch mit Vertretern der Fankurven in Kontakt», so Hödl.

Was sie dabei besprechen würden, möchte die Stadtpolizei allerdings nicht verraten, genauso wenig wie Details zum Sicherheitsaufgebot. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) rechnet vor, dass bei einem gewöhnlichen Meisterschaftsspiel rund 130 Personen im Einsatz sind — bei einem Hochrisikospiel wie dem Derby «einige Dutzend mehr». Zu ihnen würden nebst Securitys auch Fanverantwortliche und Sozialarbeiter gehören.

«Die sportliche Seite soll im Vordergrund stehen»

Hödl betont, dass für die Sicherheit innerhalb des Stadions in erster Linie der Veranstalter des Spiels verantwortlich ist — in diesem Fall also GC. Nach dem letzten Derby am 23. Oktober, bei dem man ebenfalls Heimrecht genoss, hatte der Klub seine Fans aufgefordert, sich nicht auf das Niveau der FCZ-Fans runterzulassen, sondern mit positivem Beispiel voranzugehen. Zudem hatte er angekündigt, sein Sicherheitskonzept für solche Spiele zu verbessern.

Gianluca de Cristofaro, Mediensprecher der Grasshoppers, bestätigt, dass alle notwendigen Massnahmen ergriffen würden, um die Sicherheit der Zuschauer im Stadion zu gewährleisten. Die Kommunikation mit den Fans sei dabei ein wichtiges Mittel: «Dadurch können wir mögliche Probleme identifizieren und gemeinsam lösen.» Der Austausch stimmt de Cristofaro zuversichtlich, dass alle Parteien aus den jüngsten Ereignissen gelernt haben. «Nun soll die sportliche Seite des Derbys im Vordergrund stehen.»

Es drohen härtere Strafen

Und wie sieht es beim Rivalen aus? Finn Sulzer von der Medienstelle des FC Zürich sagt, man glaube nicht, dass es am Samstag erneute Ausschreitungen gibt. Auf welche Informationen er sich dabei stützt, möchte er nicht kommunizieren. Er betont aber, dass der Verein ebenfalls in regelmässigem Kontakt mit seinen Fans in der Südkurve stehe. «Die Gespräche sind konstruktiv und meistens zielführend», so Sulzer.

Bleibt zu hoffen, dass die Fankurven ihren Klubs nicht in den Rücken fallen. Zwei FCZ-Fans, die aktiv an den letzten Ausschreitungen beteiligt waren, konnten gefasst werden, vermeldete die Stadtpolizei Ende Dezember. Ihnen droht nun ein Strafverfahren, unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung. In erster Linie sind es aber meist die Vereine, die sich für das Fehlverhalten ihrer Fans verantworten müssen. Nach dem letzten Derby hatte die SFL den Grasshoppers wie auch dem FCZ eine Geldbusse von 20’000 Franken aufgebrummt.

Gut möglich, dass bei erneuten Randalen die Strafen noch härter ausfallen — und die Klubs gar zu Geisterspielen verdonnert werden. Für das Derby scheinen sie aber bereit zu sein, genauso wie die Stadtpolizei. Diese lässt verlauten, dass die Erkenntnisse vergangener Spiele jeweils in die aktuelle Lagebeurteilung mit einfliessen würden. Haben alle Beteiligten aus den Ausschreitungen vom 23. Oktober also die richtigen Lehren gezogen? Spätestens am Sonntagmorgen wird Gewissheit herrschen.

veröffentlicht: 21. Januar 2022 10:57
aktualisiert: 4. Februar 2022 09:22
Quelle: ZüriToday

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