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Weltklasse Zürich: Diese Schweizer Leichtathleten greifen nach den Diamanten

Weltklasse Zürich

Diese Schweizer Leichtathletik-Stars greifen nach den Diamanten

07.09.2022, 09:12 Uhr
· Online seit 06.09.2022, 13:43 Uhr
Im Letzigrund und am Sechseläutenplatz messen sich am Mittwoch und Donnerstag die besten Leichtathleten. Mit am Start sind auch zwei Zürcher Top-Talente. Wir stellen diese und weitere Schweizer Teilnehmende vor und schätzen ein, wie ihre Chancen am diesjährigen Diamond-League-Final stehen.
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Angelica Moser, Stabhochsprung

Die Andelfinger Stabhochspringerin, die beim Leichathletik-Club Zürich trainiert, hält so ziemlich alle Schweizer Juniorenrekorde indoor und outdoor – zudem ist die 23-Jährige Hallen-Europameisterin. Im März 2021 gewann sie Gold mit 4,75 Metern. Outdoor hat sie diese Marke bisher aber nicht erreichen können, ihre aktuelle Saisonbestleistung liegt derzeit «nur» bei 4,60 Metern. Da sind ihre Konkurrentinnen an der Weltklasse Zürich doch einiges höher gesprungen. Die aktuelle Europameisterin Murto Wilma aus Finnland oder Olympia-Silber-Gewinnerin Sandi Morris (USA) haben diese Saison schon 4,85 Meter geknackt – sie gehören am Mittwochabend definitiv zu den Favoritinnen. Moser ist, beflügelt durch die lokalen Fans, dennoch ein Rang im Mittelfeld zuzutrauen.

Dominik Alberto, Stabhochsprung

Der LC Zürich schickt an seinem Heim-Meeting mit Dominik Alberto auch einen Stabhochspringer ins Höhe-Rennen. Der 30-Jährige gewann letztes Jahr sowie 2019 die Schweizer Meisterschaften. Seine persönliche Bestmarke liegt bei 5,71 Metern. International hat Alberto aber noch keine Erfolge verzeichnen können. Könnte sich das vor heimischem Publikum ändern?. Mit Weltmeister Armand Duplantis aus Schweden und Vize-Weltmeister Christopher Nilsen aus den USA sind diese Saison zwei Teilnehmer mindestens 6 Meter hoch gesprungen, drei weiteren Teilnehmern ist dieses Kunststück in früheren Saisons ebenfalls schon geglückt. Gibts keine grosse Überraschung, wird Alberto mit den Grossen dieser Disziplin nicht mithalten können.

Chiara Scherrer, 3000m Steeple

Die in Winterthur wohnhafte und in Wädenswil trainierende Hindernisläuferin ist auf nationaler Ebene das Nonplusultra. Im Juni lief sie in Paris mit 9:20,28 Minuten Schweizer Rekord. Im internationalen Vergleich verkommt diese Zahl allerdings zu einer Randnotiz. Am Weltklasse-Meeting starten nämlich gleich drei Läuferinnen, die schon unter 9 Minuten gelaufen sind. Allen voran die Äthiopierin Werkuha Getachew, die diesjährige Vizeweltmeisterin mit 8:54,61 Minuten, gilt es in Zürich zu schlagen. Und auch deren Landsfrau Mekides Abebe ist ähnlich schnell, holte an der WM Bronze. Zum Vergleich: An derselben WM ist Scherrer im zweiten Vorlauf ausgeschieden. Realistischerweise wird sie am Donnerstagabend einen der hinteren Plätze belegen.

Mujinga Kambundji, 200m

Spätestens seit ihrem Gewinn des Europameistertitels über 200 Meter in München ist Mujinga Kambundj den meisten Schweizerinnen und Schweizer ein Begriff. Ihren Durchbruch hatte die 30-Jährige bereits 2014, wo sie bei den Heimeuropameisterschaften in Zürich durch ihre tollen Leistungen aufgefallen ist. Es bestehen keine Zweifel: Die Bernerin ist die schnellste Frau der Schweiz. Ihre grössten Konkurrenten in ihrer persönlichen Paradedisziplin stehen ihr aber in nichts nach, im Gegenteil: Weltmeisterin Shericka Jackson aus Jamaika oder die Amerikanerin Gabrielle Thomas werden Kambundji wohl hinter sich lassen. Ein Podestplatz liegt für sie im Letzigrund vor Heimpublikum dennoch drin.

Simon Ehammer, Weitsprung

Mit seiner ausserordentlichen Leistung beim Zehnkampf mit dem Gewinn der Silbermedaille hat sich der Ostschweizer in die Herzen der Schweizer Leichtathletikfans manövriert. Vor allem in seiner Paradedisziplin, dem Weitsprung, kann der Appenzeller vorne weit mit springen. Seine Bestleistung im Weitsprung liegt bei 8,45 Meter. Bis auf den amtierenden Olympiasieger Miltiadis Tendoglou ist keiner der Teilnehmer in dieser Saison weiter gesprungen.

Ricky Petrucciani, 400m

Der 22-jährige Tessiner ist eines der grössten Schweizer Versprechen für die Zukunft. In den Jahren 2019 bis 2021 wurde er Schweizer Meister im Freien sowie von 2018 bis 2020 auch in der Halle. Im Juli letztes Jahr gelang ihm zudem gar der Gewinn der U23-Europameisterschaft. Ob Petrucciani solche Top-Leistungen auch inmitten der Elite abrufen kann? Mit James Kirani aus Grenada oder Isaac Makwala aus Botswana starten am Mittwoch im Letzigrund immerhin zwei Athleten, die bereits unter 44 Sekunden gelaufen sind – Petruccianis persönliche Bestleistung liegt bei 45,02 Sekunden. Die Konkurrenz ist stark, doch vom heimischen Publikum beflügelt, mag eine Platzierung in den vorderen Rängen vielleicht doch drinliegen.

Ditaji Kambundji, 100m Hürden

Im Letzigrund werden am Mittwochabend viele Augen auf die jüngere Schwester von 200m-Europameisterin Mujinga Kambundji gerichtet sein. Wobei Ditaji viel mehr, ist als bloss die «kleine Schwester»: Die 20-Jährige Bernerin ist nämlich auf bestem Wege, ebenfalls eine ganz grosse Karriere einzuschlagen. Die Bronzemedaille an der EM letzten Monat in München (12,74s) unterstreicht dies – und im Juli an der WM lief Kambundji gar noch vier Hundertstel schneller. Die Konkurrenz am Diamond-League-Final dürfte dies trotzdem nicht gross beeindrucken: Weltmeisterin und Weltrekordhalterin Tobi Amusan (Nigeria, Weltrekordhalterin) oder Kendra Harrison (USA) laufen derzeit in einer eigenen Liga. Für Kambundji wirds schwierig, da mithalten zu können.

Jason Joseph, 110m Hürden

In den Jahren von 2019 bis 2021 war der Baselbieter Joseph Schweizer Meister im 110-Meter-Hürdenlauf im Freien, von 2017 bis 2020 auch in der Halle über 60 m Hürden. 2019 hat er an den U23-Europameisterschaften zudem Gold gewonnen. Keine Frage: Joseph ist eines der grössten Schweizer Leichtathletik-Versprechen – kann er am Donnerstagabend im «Letzi» sein volles Potenzial abrufen, dann ist ein vorderer Rang realistisch. Weltmeister Grant Holloway und Vize-Weltmeister Trey Cunningham (beide aus den USA) laufen die 110m zwar unter 13 Sekunden. Mit den europäischen Starten, wie etwa Damian Czykier aus Polen (Bestzeit 13:25), kann sich Joseph aber durchaus messen – seine persönliche Spitzenzeit beträgt 13:12 Minuten.

Die weiteren Schweizer Teilnehmenden, die am Weltklasse Zürich an den Start gehen, die Weitspringerin Annik Kälin, Julien Bonvin über 400 Meter Hürden sowie Lore Hoffmann über 800 Meter. Das Feld in Zürich ist generell hochkarätig besetzt. Da sind Armand Duplantis, Renaud Lavillenie, Jakob Ingebrigtsen und mehr.

Beide Tage des Diamond-League-Meetings kannst du live auf ZüriToday verfolgen.

veröffentlicht: 6. September 2022 13:43
aktualisiert: 7. September 2022 09:12
Quelle: ZüriToday

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