Immer mehr Mädchen bei Zürcher Vereinen

Warum es beim Fussball ein Umdenken braucht

5. August 2022, 15:00 Uhr
Die Europameisterschaft hat so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wie kaum ein Wettbewerb im Frauenfussball zuvor. Das bestätigt einen Trend: Das Interesse am Frauenfussball steigt, immer mehr Mädchen wollen den Sport ausüben. Die Zürcher Vereine sind gefordert.

Die Fussball-Europameisterschaft der Frauen ist vorbei – und wohl noch nie in der Sportgeschichte war das Interesse an diesem Wettbewerb so gross wie in diesem Sommer. Millionen Menschen verfolgten das Finalspiel, in dem die Engländerinnen die Deutschen schliesslich mit 2:1 bezwangen.

In der Schweiz verfolgten um die 200'000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft, berichtete BärnToday. Im Vergleich mit den Spielen der Männermannschaft (rund 1,5 Millionen Zuschauer) hinken die Zahlen zwar noch hinterher. Doch die EM hat deutlich gemacht: Die Popularität der Frauen-Nati steigt, und ebenso das Interesse von Mädchen am Fussball.

Nachfrage wächst seit Jahren

Das Interesse an der Frauen-EM folgt einem Trend: Die Zürcher Fussballvereine spüren seit mehreren Jahren, dass die Nachfrage vor allem beim Nachwuchs steigt. «Das Interesse von Mädchen am Fussball ist gewachsen, und es wächst immer noch», sagt Claudia Gfeller. Sie ist Leiterin des Projekts Entwicklung Frauenfussball beim Fussballverband Region Zürich (FVRZ).

Seit Anfang 2020 hat die Zahl der Spielerinnen im Züribiet laut FVRZ von rund 3900 auf 4200 (+7,7 Prozent) im Februar 2022 zugenommen. Die Zahl der Juniorinnenteams stieg im gleichen Zeitraum von 163 auf 188 (+13,3 Prozent); die der Frauenteams von 67 auf 73 (+9 Prozent). Zum Vergleich: Die Zahl der männlichen Spieler sank seit der Saison 2017/18 um fast 10 Prozent (siehe Grafik).

Inwiefern die EM diese Zunahme verstärkt, könne man heute noch nicht sagen, sagt Gfeller. «Im Moment ist es noch zu früh, um eine Wirkung festzustellen.» Sie könne sich aber gut vorstellen, dass die EM positive Auswirkungen haben wird. Definitiv werden das aber erst die kommenden Monate zeigen.

Sichtbarkeit und Wahrnehmung sind entscheidend

Ein Grund für die gewachsene Nachfrage sei die neue Akzeptanz, die der Frauenfussball heute habe. Eine wichtige Rolle spiele hierbei die Sichtbarkeit. «Wenn es Angebote gibt, werden diese auch wahrgenommen», sagt Gfeller «Man muss sie nur sichtbar machen.» Vereine, die Sichtbarkeit schaffen, hätten besonders Zulauf.

Die gestiegene Nachfrage bringt Herausforderungen mit sich. Wenn es mehr Spielerinnen gebe, brauche es auch mehr Infrastruktur und mehr Personal. Gerade bei den Trainerinnen, Betreuerinnen und Schiedsrichterinnen sei noch viel Potenzial vorhanden. «Da gibt es noch Luft nach oben», so Gfeller. Der FVRZ, der den Frauenfussball seit 2018 gezielt fördert, unterstütze die Vereine dabei.

Können die Fussballvereine noch mehr tun, um Mädchen für den Sport zu begeistern? Am wichtigsten sei es zu zeigen, dass Mädchen im Fussball ebenso willkommen seien wie Buben, so Claudia Gfeller. Anders als etwa beim Skifahren würden Männer- und Frauenfussball heute immer noch als zwei unterschiedliche Sportarten wahrgenommen. Es brauche deshalb eine neue Sichtweise: «Fussball ist eine einzige Sportart».

(osc)

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 8. August 2022 06:43
aktualisiert: 8. August 2022 06:43
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