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Sven Montgomery: «Es gibt keine angemessenen Worte, um diese Situation zu beschreiben»

Tod von Gino Mäder (26)

Sven Montgomery: «Es gibt keine angemessenen Worte, um diese Situation zu beschreiben»

17.06.2023, 07:44 Uhr
· Online seit 17.06.2023, 07:01 Uhr
Nach seinem Sturz an der Tour de Suisse am Donnerstag ist der 26-jährige Radprofi Gino Mäder am Freitag seinen Verletzungen erlegen. Die Today-Redaktion hat mit dem Berner Radsport-Experten und SRF-Co-Kommentator Sven Montgomery über diesen dunklen Tag in der Geschichte der Tour de Suisse gesprochen.
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BärnToday: Wo haben Sie an der Tour de Suisse die Nachricht von Gino Mäders Tod am Freitag erfahren?

Sven Montgomery: Ich war gerade bei Oberwil-Lieli, dem Etappenziel am Freitag, angekommen. Schon im Verlauf der Anfahrt haben wir versucht, an neue Informationen zu gelangen – die Anzeichen verdichteten sich nach und nach. Dann war die traurige Gewissheit da, dass Gino Mäder leider seinen Verletzungen erlegen ist.

Nach dieser traurigen Nachricht waren Sie auch heute als SRF-Radexperte tätig. Wie war das für Sie?

Es war ein sehr schwieriger Moment. Es gibt keine angemessenen Worte, um diese Situation zu beschreiben.

Soll die Tour de Suisse Ihrer Meinung nach weitergeführt werden?

In dieser Frage ist meine persönliche Meinung unwichtig. So wie es Tour-Direktor Oliver Senn gegenüber sagte, muss festgelegt werden, ob die Organisatoren das Rennen weiterführen wollen. Und natürlich auch, ob die Athleten und Fahrer die Tour fortsetzen können und wollen.

Die Etappe führte hinunter nach Albula – auf dieser Strecke gibt es viele Haarnadelkurven und man kann über 100 Stundenkilometer schnell sein. Ist das nicht zu schnell – auch wenn es sich um Profis handelt?

Die Abfahrt ist seit vielen Jahren Teil der Tour de Suisse. Entweder macht man sämtliche Sportarten in einem ausgepolsterten Raum oder man macht gar keinen Sport mehr. Für mich stellt sich die Frage nicht, ob die Abfahrt zu schnell oder zu gefährlich war.

Werden die Strecken riskanter? Auch an der Tour de France der Männer und Frauen gab es schlimme Stürze. 

Das hat mit den Streckenplänen nichts zu tun. Bei der Tour de Suisse wird fest auf die Sicherheit der Strecke geachtet – zum Beispiel, indem nur gut ausgebaute Strassen befahren werden. Es ist allerdings wichtiger, genug sichere Strassen zu finden. Alles, was für den Normalverkehr die Sicherheit steigert – beispielsweise Verkehrsinseln oder Bodenunebenheiten, die die Geschwindigkeit reduzieren sollen – macht den Rennsport gefährlicher. Dazu kommt auch der Faktor Mensch.

Wie hat sich das Velo und das restliche Equipment verändert?

Die Velos werden sicherer, da sie immer stabiler gebaut werden. Dazu kommt die Einführung der Scheibenbremsen bei den Rennvelos. Damit lässt sich der Bremseffekt besser dosieren.

Welche Macht haben Teams und Fahrer auf die Streckenplanung?

Für die Streckenplanung ist der Veranstalter zuständig, aber auch lokale Organisationskomitees können gewisse Wünsche anbringen, wo die Strecke durchführen soll. Schliesslich will man seine Region möglichst gut verkaufen. Aber: Streckenplaner sind ehemalige Radprofis, die ganz genau wissen, was vertretbar ist und was nicht.

Sie waren selbst Radprofi. Wie sind Sie mit den Risiken des Sports umgegangen?

Mal besser, mal schlechter. Ich gehörte sicher eher zu den ängstlichen Fahrern und ging dadurch eher früher auf die Bremse als andere Fahrer. Allerdings macht man auch vermehrt Fehler, wenn man zu ängstlich ist. 99 Prozent der Fahrer sind sich bewusst, dass sie schwer stürzen können.

(rst/lae)

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veröffentlicht: 17. Juni 2023 07:01
aktualisiert: 17. Juni 2023 07:44
Quelle: BärnToday

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