Fussball-WM

Kein Sex, kein Alkohol – doch Katar heisst alle Fans willkommen

Maurus Held, 23. Juni 2022, 14:31 Uhr
Aus westlicher Sicht ist Katar sicherlich nicht der optimale Gastgeber für eine Weltmeisterschaft. Fussballfans sollten wissen, worauf sie sich einlassen, wenn sie in den Wüstenstaat reisen. Hierzu gezwungen wird niemand – wer dennoch geht, sollte denn auch Respekt erweisen.

Bis in Katar der Ball rollt, dauert es zwar noch ziemlich genau fünf Monate. Doch viele Fans, die ihre Nationalmannschaft vor Ort unterstützen wollen, beschäftigt die WM bereits jetzt. Die Gründe sind vielfältig – und für manch einen besorgniserregend. Denn die Gesetze im Emirat, in dem der Islam Staatsreligion ist, sind einiges strenger als in Europa oder Amerika, von wo ganze zwei Drittel aller teilnehmenden Mannschaften herkommen.

Zum einen wäre da das Thema Homosexualität: Diese ist in Katar verboten – so will es die Scharia, laut der Verfassung die Grundlage der Gesetzgebung. Sexuelle Handlungen unter zwei oder mehreren Menschen gleichen Geschlechts können gemäss Strafgesetzbuch mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafen geahndet werden. Hinzu kommt, dass diverse Hotels bereits mitgeteilt haben, dass sie keine homosexuellen Paare aufnehmen würden.

«Wir werden niemanden hindern»

Doch auch heterosexuellen Fans, zumindest den Singles, dürfte die Freude vergehen: Wie die britische «Daily Star» berichtet, herrscht in Katar de facto ein Sexverbot – ausser für Ehepaare. Laut katarischem Recht dürfen sexuelle Handlungen nur zwischen Männern und Frauen, die verheiratet sind, stattfinden. Ansonsten drohen gar siebenjährige Haftstrafen.

Da tut sich unweigerlich die Frage auf: Bleiben die betroffenen Fans gleich ganz zuhause? Gehen sie das Risiko ein, erwischt zu werden? Oder fügen sie sich den Gesetzen während vier Wochen? Das Staatsoberhaupt Katars, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, hatte am 20. Mai bei seinem Staatsbesuch in Deutschland klargemacht, dass alle Menschen willkommen seien. «Wir werden niemanden hindern, uns zu besuchen, unabhängig von den eigenen Ansichten.»

Der Gastgeber ist zu respektieren

Der Scheich sagte aber auch: «Wir erwarten, dass unsere Kultur respektiert wird.» Heisst: Wer die Gesetze missachtet, muss nun mal mit Konsequenzen rechnen. Oder in anderen Worten: Es wird für Fussballfans keine Ausnahmen geben. Ob diese auf ihre gewohnten Lebensweisen während vier Wochen verzichten oder doch lieber zuhause bleiben, ist ihnen gänzlich selbst überlassen.

Ausnahmen zu fordern, wäre denn auch unangebracht. Als Gast sind nun mal die Gepflogenheiten des Gastgebers zu respektieren. Ob diese den eigenen Wertvorstellungen entsprechen, ist dabei irrelevant. Es steht nicht im Ermessen von Fussballfans, über andere Kulturen oder Religionen zu urteilen. Was «gut» ist und was nicht, ist immer subjektiv, und so bestimmen letztendlich Gesetze, was genau gilt. Und in Katar sind diese unmissverständlich.

Katar zwingt niemanden, zu kommen

Übrigens ist in vielen islamischen Ländern auch der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit verboten. Ein WM-Spiel gänzlich ohne Bier schauen? In Katar könnte dies Realität sein. Doch auch hier gilt: Die WM findet nun mal nicht in Westeuropa statt. Wer sich ab den Regeln derart stört und nicht mit Überzeugung sagen kann, dass er sie respektieren wird, dem ist wohl geraten, die Reise nach Katar nicht anzutreten. Dazu zwingen tut Katar niemand.

Die Hoffnung, dass Katar eines Tages LGBTQ- und andere Menschenrechte tolerieren wird, soll leben, ohne Zweifel. Wünschenswert ist dies allemal. Nur hat das Thema nichts mit Fussball zu tun. Anstatt jetzt anzuprangern, welche Werte in Katar gelebt werden – oder eben nicht –, hätte man mit aller Kraft verhindern müssen, dass die WM überhaupt dort stattfindet. Nun ist jedem Fussballfan selbst überlassen, wie er oder sie mit der Realität umgehen möchte.

Wie stehst du zur WM in Katar und den Verboten, die den Fans drohen? Schreib es in die Kommentare!

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 23. Juni 2022 14:32
aktualisiert: 23. Juni 2022 14:32
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