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Fussball Schweiz: Kaskadenmodell gegen Fangewalt kommt trotz Kritik der Clubs

Super League

Strengere Massnahmen gegen Fangewalt – trotz Ablehnung von Liga und Clubs

14.03.2024, 20:17 Uhr
· Online seit 14.03.2024, 14:08 Uhr
Die Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) setzen das Kaskadenmodell gegen Fangewalt trotz Ablehnung der Swiss Football League (SFL) und ihren Klubs auf die nächste Saison hin in Kraft. Die SFL hatte sich bei der Erarbeitung intensiv beteiligt, wollte nun das Ergebnis aber doch nicht mittragen.
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Gemeinsames Ziel aller Beteiligten sei aber, dass das Modell gar nicht zur Anwendung kommen müsse, teilte die Arbeitsgruppe der Bewilligungsbehörden mit.

Für den Fall, dass der Dialog und die weiteren präventiven Mittel Ausschreitungen nicht verhindern, müssten die Behörden aber auf ein Instrumentarium zurückgreifen können, das ihnen eine verhältnismässige Reaktion erlaube.

Wenig Ausschreitungen in der vergangenen Saison

Die SFL und die Fussballklubs lehnten das Modell einstimmig ab. «Rund um Spiele der Super League gab es noch nie so wenige Fälle von schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen wie in der abgelaufenen Saison», begründete Geschäftsführer Claudius Schäfer die Ablehnung. Er verwies dabei auf das «Gesamtschweizerische Lagebild Sport der Polizeilichen Koordinationsplattform Sport». Dessen Zahlen werden seit 2018 erhoben.

Weiter schrieb die SFL, das Modell vermische Prävention und Repression und fokussiere nicht auf die Verhinderung zukünftiger Gewalttätigkeiten, wie es das vor 15 Jahren eingeführte «Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen» (Hooligan-Konkordat) vorsehe.

«Öffentlichkeit würde es nicht verstehen»

Dabei hatte sich die Swiss Football League bei der Erarbeitung noch intensiv beteiligt. «Die SFL hat an der heutigen Sitzung beschlossen, das Ergebnis letztendlich doch nicht mitzutragen», ist der Medienmitteilung zu entnehmen. Sie erachten es in der Praxis als nicht zielführend, einseitig und unverhältnismässig.

«Die Öffentlichkeit und auch friedliche Fussballfans würden nicht verstehen, wenn die Behörden auf massive Ausschreitungen lediglich mit einer Intensivierung des Dialogs reagieren», erklärte Regierungsrätin Karin Kayser-Frutschi, Co-Präsidentin der KKJPD, zum Entscheid.

Das Kaskadenmodell besteht aus verschiedenen Stufen, wobei bestimmte Vorkommnisse automatisch vordefinierte Massnahmen auslösen. Das Modell, das ab der kommenden Saison eingeführt wird, umfasst vier Stufen. Der finale Entscheid über die zu treffende Massnahme liegt in jedem Fall bei der zuständigen Bewilligungsbehörde.

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Club-Allianzen sollen flächendeckend eingeführt werden

Einigen konnte man sich betreffend Club-Allianzen. Die Bewilligungsbehörden begrüsse den Willen der SFL und der Clubs, dieses Konzept zur Förderung des Dialogs unter allen Beteiligten an allen Austragungsorten einzuführen.

«Die Club-Allianzen und der Dialog zwischen allen Beteiligten an den Austragungsorten können wichtige Schritte sein, um schon präventiv daran zu arbeiten, dass Gewaltausschreitungen schon im Voraus verhindert werden können», wird Staatsrat Frédéric Favre, Präsident der Arbeitsgruppe Bewilligungsbehörden, in der Medienmitteilung zitiert.

Des Weiteren haben sich die Liga und die SBB haben sich auf eine partnerschaftliche Weiterentwicklung im Bereich Transport und Fanreisen geeinigt.

Im Rahmen des Projekts holte die Arbeitsgruppe im weiteren ein Rechtsgutachten ein. Dieses empfiehlt für die Einführung von personalisierten Tickets gegen den Willen der Veranstalter eine Revision des Hooligan-Konkordats. Über die Einleitung einer solche Revision entscheidet die KKJPD voraussichtlich im Rahmen ihrer Frühjahrsversammlung im April.

(sda/dak)

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veröffentlicht: 14. März 2024 14:08
aktualisiert: 14. März 2024 20:17
Quelle: BärnToday

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