Sexistisch, homophob und obszön

Frauenfussball-Direktorin erhält üblen Hassbrief

5. August 2022, 17:02 Uhr
Die SFV-Frauenfussball-Direktorin teilt auf Twitter einen Brief, dessen Verfasser dem Frauenfussball offenkundig ablehnend gegenübersteht – und die Gürtellinie regelmässig unterschreitet.
Kämpferin für Frauenfussball Tatjana Hänni hat einen unschönen Brief erhalten.
© Keystone/Salvatore di Nolfi

«Erster Tag zurück im Büro», schrieb Tatjana Hänni am Donnerstag auf Twitter. Und kurz nach ihrer Rückkehr an den Schreibtisch dürfte die Frauenfussball-Direktorin des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) ihren Augen nicht getraut haben. Die 55-Jährige fand nämlich offenbar einen unschönen Brief vor, den sie prompt abfotografiert teilte.

Die polemische Zuschrift, dessen Absender auf dem Bild geschwärzt wurde, wendet sich in hasserfüllter Ablehnung gegen den Frauenfussball – und kommt dabei von Beginn an nicht ohne sexistische, homophobe und obszöne Verunglimpfungen aus, wie die «Aargauer Zeitung» berichtet.

Böse Worte

Viele Sportfans fänden es unverschämt, beginnt der Text – dessen mutmasslich männlicher Verfasser sich offenkundig anmasst, für eine Mehrheit der Sportinteressierten zu sprechen –, «welche Forderungen die Verantwortlichen des Frauen-(Lesbenfussballs) an die Öffentlichkeit stellen».

Danach kennt der Autor kein Halten mehr, und er unterschreitet die Gürtellinie bis zum Briefende in betrüblicher Regelmässigkeit. Um zynisch mit den Worten zu schliessen: «Ich hoffe, diese Zeilen regen zum Nachdenken an.»

Die unterschiedliche finanzielle Würdigung des Frauen- und Männerfussballs sind unlängst – gerade vor, während und nach der Frauen-EM in England – vermehrt aufs Tapet gebracht worden. Wie Recherchen von CH Media im Vorfeld des Turniers zeigten, verdienen einige Schweizer Nationalspielerinnen lediglich wenige Tausend Franken im Jahr, während ihre männlichen Pendants häufig Millionensaläre einstreichen.

Mehr Respekt und Toleranz

«Mit der Publikation dieses Briefes wollte ich die Öffentlichkeit weiter sensibilisieren und aufzeigen, dass Respekt und Toleranz noch immer zu oft mit Füssen getreten werden», schrieb Hänni am Freitag in einer Stellungnahme auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der SFV erhalte immer wieder Schreiben, in denen Nationalspielerinnen und -spieler erniedrigt und beleidigt würden. «Diese Äusserungen sind respektlos, niederträchtig und verletzend», schrieb die 55-Jährige.

Die ehemalige Nationalspielerin, Trainerin und FIFA-Funktionärin setzt sich seit langem für Frauen im Fussball ein. Vor der Europameisterschaft in England wurde die Gleichstellung von Prämien der Schweizer Nationalspielerinnen und Nationalspieler bekannt gegeben.

(sda/hap)

Quelle: Aargauer Zeitung
veröffentlicht: 5. August 2022 15:52
aktualisiert: 5. August 2022 17:02
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