Fussball-WM Katar

Argentinien schlägt die Niederlande im Penaltyschiessen – im Halbfinal wartet Kroatien

10. Dezember 2022, 00:44 Uhr
Spannung pur im WM-Viertelfinal zwischen den Niederlanden und Argentinien. Kurz vor Abpfiff der Partie können die Niederländer zum 2:2 ausgleichen. Weil in der Verlängerung keine weiteren Tore fielen, kommt es zur Entscheidung vom Elfmeterpunkt. Dort behält Argentinien die stärkeren Nerven.
Freude bei Lionel Messi und Co.: Argentinien steht dank eines Sieges gegen die Niederlande im WM-Halbfinal.
© Getty Images
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Die niederländischen Fussballer kämpfen sich im WM-Viertelfinal gegen Argentinien nach einem 0:2-Rückstand in der Schlussphase auf 2:2 zurück. Im Penaltyschiessen nach der Verlängerung jedoch setzen sich die Argentinier mit 4:3 durch. Im Halbfinal vom Dienstag treffen die Südamerikaner auf Kroatien.

Spektakel in der Schlussphase

Die Niederländer standen in der regulären Spielzeit kurz vor dem Ausscheiden. Aber mit Toren des Jokers Wout Weghorst in der 83. und der 101. Minute, der 11. Minute der Nachspielzeit also, retteten sie sich zum 2:2 und in die Verlängerung.

Weghorst, der jetzt für Besiktas Istanbul tätige frühere Wolfsburger Stürmer, war noch vor Lionel Messi der Mann des Spiels. Fünf Minuten nach seiner Einwechslung verwertete er mit einem tollen Kopfball eine präzise Flanke. Sekunden vor dem Schlusspfiff verblüfften die Niederländer mit einer unorthodoxen Freistoss-Variante. Teun Koopmeiners, auch er ein Joker, spielte den Ball flach an der Mauer vorbei auf Weghorst, der sich abdrehte und den Ball mit der Schuhspitze ins Tor spitzelte.

Die bemerkenswerte Aufholjagd nützte der Mannschaft von Louis van Gaal zuletzt nichts. Die Argentinier hatten nach ihrem Penalty-Tor zum 2:0 in der 73. Minute die längste Zeit keine Chance mehr. Aber in den letzten Minuten der Verlängerung drückten sie auf die Entscheidung. So traf Enzo Fernandez in der 121. Minute den Pfosten.

Die Argentinier kommen nun um den Erzrivalen Brasilien als Gegner herum, sie treffen auf Kroatien. Sie sind nunmehr wieder so weit wie zuletzt 2014, als sie sich erst im Final von den Deutschen am dritten WM-Titel hindern liessen.

Über weite Strecken ausgeglichen

Ein Leistungsunterschied zwischen Argentiniern und Niederländern war über die 90 Minuten nur schwer auszumachen. Zwei kultivierte, bestens organisierte Mannschaft gönnten sich gegenseitig die längste Zeit nur sehr wenige nennenswerte Tormöglichkeiten. Erst im Lauf der zweiten Halbzeit fanden die Südamerikaner etwas mehr Raum vor - weil die Niederländer zwangsläufig ihre Offensive forcierten. Nach dieser taktischen Umstellung mussten die Niederländer das 0:2 auf einen von Lionel Messi verwerteten Foulpenalty hinnehmen.

Bei dem bedächtigen Beginn dieses Viertelfinals schien es 35 Minuten lang durchaus möglich zu sein, dass auch das dritte Duell in Folge zwischen den Niederlanden und Argentinien an einem WM-Turnier torlos ausgehen könnte. Bis dorthin nämlich war kaum etwas los. Deshalb kam Argentiniens Führungstor von Nahuel Molina, Defensivspieler von Atlético Madrid, unverhofft, schier aus dem Nichts. Das Tor gehörte zu Hälfte Messi. Er spielte Molina, der erstmals für die Nationalmannschaft traf, mit einem scharfen, präzisen Steilpass in den Strafraum frei. Es zeigte einmal mehr auf, dass Messi mit einer einzigen aussergewöhnlichen Aktion einen Match letztlich entscheiden kann.

Argentinien ist neben Deutschland die Mannschaft unter den Titelfavoriten, die nach dem ersten Gruppenspiel - man erinnert sich an das blamable 1:2 gegen Saudi-Arabien - schon nahe am Abgrund stand. Es sprach jedoch für die Stabilität der Equipe des verhältnismässig jungen Trainers Lionel Scaloni (44), dass die Südamerikaner in den drei nachfolgenden Spielen nie mehr in Gefahr gerieten, einen Match nicht zu gewinnen. Umso mehr erstaunte es, dass die Mannschaft in der Schlussphase des Spiels gegen die Niederlande den Faden verlor und den Match trotz der 2:0-Führung nach 83 Minuten vorübergehen aus der Hand gab.

Die Weltmeisterschaft bleibt für die Niederländer ein unvollendetes Kunstwerk. Die Argentinier schlugen ihnen in der Vergangenheit schon dreimal - 1978 im Final, 2014 im torlosen Halbfinal, jetzt im Viertelfinal - den Pinsel aus der Hand.

Rekordmann Messi

Lionel Messi ist nach WM-Einsätzen mit dem deutschen Stürmer Miroslav Klose gleichgezogen. Gegen die Niederlande bestritt Messi sein 24. WM-Spiel. Vor ihm und Klose liegt mit 25 WM-Einsätzen einzig noch Lothar Matthäus. Ihn wird Messi einholen, wenn er - was erwartet werden darf - im Halbfinal zum Einsatz kommt. Messi spielt in Katar seine fünfte Weltmeisterschaft. Er hat mehrfach betont, dass es seine letzte WM sein werde.

Hier gibt es den Ticker zum Nachlesen

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 9. Dezember 2022 19:38
aktualisiert: 10. Dezember 2022 00:44