Schweiz

Zahnärzte schlagen wegen Boom von E-Zigaretten Alarm

Dampfen statt Rauchen

Zahnärzte schlagen wegen Boom von E-Zigaretten Alarm

· Online seit 18.09.2023, 06:41 Uhr
Elektronische Zigaretten sind in der Schweiz vor allem bei jungen Menschen beliebt. Auch haben sie bereits den Ruf einer gesunden Alternative zum Glimmstängel. Zahnärzte warnen jedoch vor Schäden und hohem Suchtpotenzial.
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E-Zigaretten haben dem Rauchen ein sauberes und stylishes Image verpasst. Aus den bunten Geräten in allen Varianten dampft kein Tabakrauch voller Kohlenmonoxid und Blausäure. Auch setzt sich in den Kleidern kein hässlicher Rauchgestank fest und die E-Zigaretten hinterlassen keine Aschespuren.

Inzwischen haben E-Zigaretten und Vapes bereits den Ruf einer gesunden Alternative zur herkömmlichen Zigarette. Entsprechen boomt das Produkt – vor allem bei jungen Menschen.

2022 nutzten laut dem aktuellsten Bericht des Bundesamts für Gesundheit (BAG) drei Prozent der Schweizer Bevölkerung mindestens einmal im Monat E-Zigaretten. 2022 konsumierten rund 10 Prozent der 13-Jährigen und 25 Prozent der 15-Jährigen in den letzten 30 Tagen E-Zigaretten. Das BAG stellt fest, dass zwischen 2018 und 2022 bei den 15-Jährigen der ein- oder mehrmalige Konsum in den letzten 30 Tagen unter anderem für E-Zigaretten stark zunahm. Dies sei vor allem bei den Mädchen der Fall.

Parodontitis als Folge

Beinahe geht vergessen, dass auch E-Zigaretten alles andere als unbedenklich für die Gesundheit sind. Zahnarztzentren melden, bei Konsumierenden von E-Zigaretten sehr oft Parodontitis zu behandeln, eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats. Diese führt dazu, dass Bindegewebe und der Kieferknochen zerstört wird. Unbehandelt kommt es zu Zahnverlust.

Die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) zeigt sich besorgt. «Der Konsum von E-Zigaretten erhöht die Zahl an Radikalen in den Geweben, die gesunde Zellen angreifen und absterben lassen», sagt Markus Gubler, Mediensprecher der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft zur Today-Redaktion.

Negative Effekte zeigten sich in zehn Jahren

Die Hauptbestandteile der E-Liquids sind laut BAG Propylenglykol und Glycerin. «Propylenglykol oder Glycerin können Zahnfleisch und Zahnhalteapparat reizen oder Allergien auslösen, die zu Atemwegserkrankungen führen», sagt Markus Gubler.

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Für die SSO steht fest, dass sich E-Zigaretten negativ auf die Mundgesundheit auswirken. Allerdings seien diese Auswirkungen in der Klinik noch kaum sichtbar, sagt Gubler. «Dafür sind die Produkte zu frisch auf dem Markt respektive die Konsumdauer zu kurz.» Es werde noch rund zehn Jahre dauern, bis sich die negativen Effekte des Dampfens nachweisen liessen.

Grösseres Suchtpotenzial

Michael Bornstein, Professor am Universitären Zentrum für Zahnmedizin Basel (UZB), sieht zahlreiche Patientinnen und Patienten mit Mundschleimhauterkrankungen und auch Parodontitis. Diese seien teils von der Zigarette auf die E-Zigarette umgestiegen. «Ich stelle dabei fest, dass dies die Probleme mit dem Zahnhalteapparat nicht löst.» Wenn jemand viel dampfe, habe dies Einfluss auf die Gesundheit der Mundschleimhaut und die Mikrobiologie im Mund.

Als grosses Problem betrachtet Bornstein, dass beim Konsum von E-Zigaretten das Schuldbewusstsein weniger da ist. «Saugt jemand in einem Raum an einem Vape, wird dies eher akzeptiert, als wenn jemand eine Zigarette raucht.» Auch kritisiert er das mangelnde Bewusstsein für das grosse Abhängigkeitspotenzial der E-Zigarette. «Da sie nicht stinkt, raucht man oft mehr, als dies bei klassischen Zigaretten der Fall wäre.»

veröffentlicht: 18. September 2023 06:41
aktualisiert: 18. September 2023 06:41
Quelle: Today-Zentralredaktion

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