Schweiz

So können Callcenter deine Handynummer missbrauchen

Schutz unmöglich

So können Callcenter deine Handynummer missbrauchen

12.12.2023, 05:42 Uhr
· Online seit 12.12.2023, 05:41 Uhr
Eine Leserreporterin wird derzeit von Anrufen bombardiert, in denen Personen behaupten, sie hätte sie angerufen. Es ist das Spoofing-Phänomen, das gegenwärtig wieder gehäuft vorkommt. Sich davor zu schützen, ist jedoch kaum möglich.
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«In letzter Zeit klingelt immer wieder mein Handy. Wenn ich rangehe, ist eine mir unbekannte Person am anderen Ende, die behauptet, ich habe sie angerufen. Doch das habe ich nie getan», sagt eine Leserreporterin. Am Anfang habe sie sich einfach gedacht, die Person habe sich verwählt. Doch irgendwann wurde sie misstrauisch und fand heraus: Sie ist Opfer von Spoofing.

«Ein internationales Phänomen»

Bei den grossen Telefonanbietern der Schweiz kennt man das Phänomen. «Spoofing ist ein internationales Phänomen, gegen das alle Telefonanbieter ankämpfen. Es ist vergleichbar mit Phishing oder Spam. Spoofing kommt oft wellenmässig. Wir blockieren kontinuierlich Spoofing-Anrufe – derzeit sind es rund eine Million pro Monat», sagt Sabrina Hubacher von Swisscom. Auch Rolf Ziebold, Mediensprecher von Sunrise, bestätigt: «Derzeit verzeichnen wir ein saisonal bedingtes, erhöhtes Aufkommen von Spoofing-Versuchen.»

Ana Biljaka, Mediensprecherin von Salt, relativiert derweil. «Spoofing ist ein global unvermeidbares Problem, jedoch werden oft Nummern verwendet, die noch nicht zugeteilt sind. Dass Nummern von unseren Kunden gebraucht werden, kommt gemäss unserer Erfahrung sehr selten vor.»

Mehrere Personen betroffen

Das besonders Perfide am Spoofing ist, dass mehrere Personen pro Anruf betroffen sind. Und zwar derjenige Nutzer, dessen Nummer die Spoofer vortäuschen und andere damit anrufen, aber auch die angerufene Person. Bei diesen besteht die Gefahr, dass sie auf die betrügerischen Maschen reinfallen, wenn sie das Gespräch entgegennehmen.

Laut den Netzanbietern ist eine grosse Gefahr, dass sich die Spoofer als diejenige Person ausgeben, deren Nummer sie geklaut haben, um bei den Angerufenen Dinge zu erwirken. Sie wenden so beispielsweise den Enkel-Trick an, bei dem Betrüger am Telefon ältere Menschen davon überzeugen, dass sie Verwandte sind und dringend Geld brauchen.

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Anbieter können nicht viel tun

«Verbindungen mit falschen Nummern kommen meistens durch fremde und ausländische Netze in die Schweiz. Die Rückverfolgung ist in der Regel unmöglich, da zwischen dem Anrufenden und dem Angerufenen zahlreiche internationale Telekomanbieter liegen können», sagt Sabrina Hubacher von Swisscom.

Auch Ana Biljaka von Salt sagt, dass es für Telefonanbieter sehr schwierig sei, solche Anrufer zu identifizieren und richtig zu blockieren. Dies, da die echten Anrufe von Nummerninhabern auf keinen Fall unterbunden werden dürfen.

Und: Das Ganze habe auch einen langen Rattenschwanz. «Wenn beispielsweise nicht zugeteilte Rufnummern von allen Anbietern blockiert werden würden, könnten die Betrüger immer mehr zugewiesene Rufnummern verwenden, was für deren Besitzer noch problematischer wäre. Wenn im öffentlichen Telefonnetz sämtliche gespooften Anrufe blockiert werden könnten, dann würden sie vermehrt auf andere Dienste ausweichen, wie es bereits heute zum Teil mit unseriösen Jobangeboten über WhatsApp geschieht», so Biljaka.

So kann man sich selbst vor Spoofing schützen

Leider gibt es keine Methode, die den Schutz vor Spoofing garantiert. «Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, da sich auch die Betrüger immer wieder etwas Neues einfallen lassen», sagt Sabrina Hubacher von Swisscom.

Die Telefonanbieter empfehlen den Kunden, den Callfilter zu aktivieren. So werden unerwünschte Werbeanrufe und auch einzelne Spoofing-Anrufe blockiert. Ausserdem sei es wichtig, eine gesunde Wachsamkeit und Skepsis zu haben und auf keinen Fall persönliche Daten herauszugeben. Und ebenfalls sollte man keine Anrufe von unbekannten Nummern entgegennehmen.

Das kann man tun, wenn man bereits betroffen ist

Gemäss Erfahrung von Swisscom und Salt sind die Nummern in der Regel nur wenige Tage von Spoofing betroffen. Sunrise indes empfiehlt mehrere Massnahmen, wenn man von Spoofing betroffen ist. «Man sollte eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei einreichen und sich über den Kundendienst melden, damit eine Sperrung überprüft werden kann. Die eigene Nummer kann man für eine gewisse Zeit für alle eingehenden Anrufe ausserhalb des Sunrise-Netzes sperren. So hören die Spoofing-Anrufe meistens auf. Wenn nichts den gewünschten Erfolg bringt, bleibt für die meisten Betroffenen nur ein Nummernwechsel übrig.»

veröffentlicht: 12. Dezember 2023 05:41
aktualisiert: 12. Dezember 2023 05:42
Quelle: FM1Today

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