Schweizer Modedesigner bei US-Show

«Die erste Mailanfrage habe ich gelöscht, weil ich mich nicht blamieren wollte»

16. August 2022, 15:25 Uhr
Bereits zum dritten Mal sucht Heidi Klum bei «Making the Cut» nach dem besten Modedesign-Talent. Mit dabei ist diesmal auch der Schweizer Yannik Zamboni. Im Interview erzählt er, warum er sich bei der Show beworben hat und was ihn am meisten beeindruckt hat.

Es ist eine grosse Chance für Yannik Zamboni. Der in Zürich wohnhafte Modedesigner ist mit seinem Label «Maison Blanche» Teilnehmer der dritten Staffel der US-Show «Making the Cut» auf Amazon Prime. In dieser Show sucht Heidi Klum nach dem nächsten Modetalent. Der 35-Jährige verrät im Interview, warum er Modedesigner werden wollte, welche Erfahrungen er bislang im Mode-Business machte und warum er sich bei der US-Sendung beworben hat.

Hallo Yannik, warum bist du Modedesigner geworden? 

Ich war in meinem Bürojob recht unglücklich und unerfüllt. Daher wollte ich unbedingt Modedesigner werden, weil ich etwas brauchte, was mich ausfüllt. Ich habe meinen Job geschmissen und dann Modedesign studiert, den Bachelor gemacht und bin so Designer geworden.

Und wie ging es nach dem Studium weiter?

Es ist nicht leicht, in der Modebranche Fuss zu fassen. Noch schwieriger wird es, wenn man sein Studium im März 2020 abgeschlossen hat, so wie es bei mir der Fall war. Ein Tag vor dem Corona-Lockdown hatte ich den Bachelor in der Tasche und konnte damit erstmal nichts machen. Ich konnte nicht ins Ausland und hierzulande hat es keine Jobs gegeben. Die einzigen Möglichkeiten, die meine Klasse und ich hatten, war sich entweder selbstständig zu machen oder sich arbeitslos zu melden.

Warum hast du dich bei «Making the Cut» beworben?

Ich muss ehrlich gestehen, ich kannte die Show gar nicht. Ich habe von einer Casting-Agentur eine Anfrage per Email bekommen, diese allerdings gleich gelöscht, weil ich mich nicht im TV blamieren wollte. Bei der zweiten Anfrage habe ich mich näher mit der Show befasst und mir den Trailer angeschaut. Darin sagt Heidi Klum, dass der Gewinner eine Million Dollar erhält. Dass war für mich der ausschlaggebende Grund, denn mit der Gewinnsumme kann man in der Branche einiges machen.

Hat dich Heidi Klum dann persönlich in die Show eingeladen? 

Nein, Heidi hat mich nicht persönlich angerufen und mitgeteilt, dass ich in der Sendung bin. Es war ein ganz gewöhnlicher Casting-Prozess, der gut über eineinhalb Monate ging. Einerseits ging es darum, ob der Anspruch der Designs genügt, andererseits natürlich auch, ob die Person für das Fernsehen auch gemacht ist. Ein Kriterium ist sicherlich auch, dass man weder für sich noch für andere eine Gefahr ist, weil man für eine gewisse Zeit mit anderen auf sehr engem Raum zusammen ist.

Wie lief denn so ein Drehtag ab? Wie müssen wir uns das vorstellen? 

An einem typischen Drehtag mussten wir zwischen 4 Uhr und 6 Uhr morgens aufstehen, anschliessend wurden wir in einem Van abgeholt, dann geht es direkt ins Studio, dort wird man verkabelt und dann wartet man nur noch darauf, das die Kameras angehen. Und ab dem Moment wird man permanent gefilmt.

Wovor hattest du am meisten Angst bei der Show? 

Dass man schlecht wegkommt. Die Angst wurde mir allerdings recht schnell genommen. Ich hatte mir dazu auch die vergangenen Staffeln angeschaut. Es wird in dieser Reality-Show nicht versucht, jemanden schlecht darzustellen. Schliesslich hat jeder von uns ein Business und das wird respektiert. Vor allem auch ist allen dort bewusst, dass wir auch nach der Sendung noch ein Business führen werden und daher ist der Umgang sehr respektvoll gewesen.

Was hat dich am meisten beeindruckt? 

Die ganze Produktion war richtig beeindruckend. Die Firma, welche die Sendung produziert, wurde von der US-Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Reese Witherspoon gegründet, um den Ungleichheiten in Hollywood entgegenzutreten, weil es Frauen viel schwieriger haben. Dort sind 95 Prozent der Angestellten weiblich. Das heisst, es hat fast nur Kamerafrauen gegeben , nur Produzentinnen und es war sehr queerfreundlich. Es war eine wirklich tolle Arbeitsatmosphäre, die ich mir so nie vorgestellt habe. Ich habe mich extrem wohlgefühlt.

Was würdest du mit dem Gewinn machen? 

Sollte ich die Million gewinnen, würde ich die ganz klar in mein Label, in neue Kollektionen und Produktionen investieren. Eine Million klingt nach viel Geld, aber für das Modebusiness ist das leider nicht allzu viel Geld.

Wo holst du dir deine Inspiration? 

Mich inspiriert immer das, was aus meiner Sicht in der Gesellschaft nicht stimmt. Es sind eher die Dinge, die mich ärgern und meine Mode kommuniziert genau das.

Deine Kollektionen und Designs sind immer weiss. Warum? 

Ich habe bereits im Studium mit weiss angefangen, weil ich gemerkt habe, dass viele Designer mit Prints und Farbe vom eigentlichen Design ablenken. Ohne diese Ablenkungen achtet man viel mehr auf den Schnitt, auf die Silhouette und auf das ganze Design. Und ich will was Gutes und Cooles kreieren und mich wirklich auf das Design konzentrieren.

Wie bekommst du Flecken aus den weissen Stoffen? Verrate uns deinen Trick. 

Wenn ich Flecken auf den weissen Sachen habe und manchmal sind es auch Ölflecken oder auch Flecken, die nicht so einfach rausgehen, habe ich immer eine Schachtel mit Farbe bei mir. Wenn es wirklich nicht mehr geht, dann male ich es einfach weiss an.

(sib)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 17. August 2022 07:05
aktualisiert: 17. August 2022 07:05
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