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Deutschland darf Schweizer Leopard-Panzer weitergeben

Grünes Licht

Deutschland darf Schweizer Leopard-Panzer weitergeben

03.06.2022, 17:38 Uhr
· Online seit 03.06.2022, 17:14 Uhr
Deutschland kann Leopard-Kampfpanzer aus früheren Schweizer Armeebeständen weitergeben. Dies hat das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport entschieden. Der Entscheid könnte weitreichende Folgen im andauernden Ukraine-Krieg haben.
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Schweizer Leopard-Panzer dürfen an Deutschland weitergegeben werden. Das hat das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) entschieden. Man habe Deutschland bestätigt, dass es frei über die Verwendung der Panzer entscheiden könne, schrieb das VBS am Freitag.

42 solche Panzer waren in den Jahren 2010 und 2011 von der Schweiz an die Herstellerin Rheinmetall Landsysteme im deutschen Kiel zurückverkauft worden, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Auf allen Fahrzeugen wurden damals die 120-Millimeter-Kanone, die Mehrfachwurfanlage, die Maschinengewehre, die Bordverständigungsanlage sowie weitere Ausrüstungsgegenstände demontiert. Diese Teile blieben als Ersatzteile für die restlichen Leopard-Panzer in der Schweiz.

Wohl Bezug zu geplantem Ringtausch

Hintergrund ist möglicherweise ein vom deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz geplanter Ringtausch, über den kürzlich das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete. Dem Bericht zufolge will Deutschland Leopard-Kampfpanzer an Tschechien liefern. Tschechien würde seinerseits Panzer aus sowjetischer Produktion an die Ukraine weitergeben.

Im Communiqué des VBS hiess es dazu lediglich, Deutschland beabsichtige aufgrund des Ukraine-Krieges, verschiedenen europäischen Staaten militärische Grosssysteme zur Verfügung zu stellen und suche daher Leopard-Panzer aus Industriebeständen.

Entgegenkommen gegenüber London

Ausserdem ist die Schweiz einverstanden, dass der Hersteller Saab bestellte Panzerabwehrwaffen des Typs NLAW zunächst an Grossbritannien liefert. Die Schweiz erhält die Waffen damit später. London hatte sein Ersuchen den Angaben zufolge damit begründet, dass man die eigenen Bestände auffüllen müsse. Das Vereinigte Königreich hatte die Panzerabwehrwaffen in grosser Zahl an die Ukraine weitergegeben.

Die Weitergabe von aus der Schweiz gelieferten Waffensystemen durch andere europäische Staaten hatte in den letzten Wochen mehrfach zu Diskussionen geführt. Zuletzt hatte das Staatssekretariat für Wirtschaft ein Gesuch von Dänemark abgelehnt. Kopenhagen wollte Radschützenpanzer des Typs Piranha III an die Ukraine liefern. Ein Gesuch aus Deutschland, Munition aus Schweizer Herstellung für einen Panzer an die Ukraine zu liefern, war im April abgelehnt worden.

(sda/baz)

veröffentlicht: 3. Juni 2022 17:14
aktualisiert: 3. Juni 2022 17:38
Quelle: Today-Zentralredaktion

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